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Die Schweizer Wirtschaft sollte sich 2017 weiter erholen

Mittwoch, 29.03.2017

Die Wachstumsaussichten für die Schweizer Wirtschaft sind laut KOF positiv. Die Konjunkturforscher rechnen mit 1.5% Wachstum in diesem und 1.9% im nächsten Jahr. Der Beschäftigungsaufbau geht indes nur schleppend voran, die Preise steigen.

Nach einem verhaltenen Auftakt nahm die globale Konjunktur 2016 wieder an Fahrt auf. Vor allem die entwickelten Volkswirtschaften verzeichneten in der zweiten Jahreshälfte 2016 kräftigere Zuwächse, gestützt von robusten privaten Konsumausgaben und einer in vielen Ländern expansiveren Fiskalpolitik. Weiterhin schwach war dagegen die Investitionstätigkeit; auch die Exportdynamik blieb verhalten.

USA und Europa erfahren einen moderaten Aufschwung

Die US-Wirtschaft überwand ihre Schwächephase; sie befindet sich nun wieder in einem robusten Aufschwung. In den Volkswirtschaften der EU setzte sich der moderate Aufschwung fort, insbesondere dank der positiven Entwicklung in Deutschland, Spanien und den Niederlanden. Auch die wirtschaftliche Entwicklung im Vereinigten Königreich sorgte, unbeirrt von der «Brexit»-Entscheidung für beträchtliche Wachstumsbeiträge. Die Dynamik in Frankreich und in Italien blieb hingegen schwach.

Die japanische Volkswirtschaft entwickelte sich positiv. Die Konjunktur in China wurde von fiskalischen Impulsen gestützt. Mit dem Strukturwandel zu einem konsumgetriebenen und dienstleistungsbasierten Wachstum dürfte sich der Trend zu graduell niedrigeren Wachstumsraten weiter fortsetzen. Die verfügbaren Konjunkturindikatoren deuten auf eine steigende Zuversicht in den entwickelten Volkswirtschaften hin.

Politische Entwicklungen verunsichern die Märkte

Die Erwartungen für die Entwicklungs- und Schwellenländer bleiben hingegen verhalten. Die gestiegenen Rohstoffpreise dürften jedoch eine belebende Wirkung für diese Regionen haben. Das politische Umfeld bleibt unsicher.

Der Aufstieg von rechtspopulistischen und eurokritischen Kräften im Vorfeld der Wahlen in Frankreich und die politische Unsicherheit in Italien könnten die Finanzmärkte verunsichern und wieder zu erhöhten Risikoaufschlägen auf Staatsanleihen im Euroraum führen.

Schweizer Exportwirtschaft dürfte wieder zulegen

Die anziehende Wirtschaftsleistung im europäischen Raum und die sich stabilisierende wirtschaftliche Lage in den Schwellenländern sollten sich auf die Nachfrage nach Schweizer Gütern und Dienstleistungen verhalten positiv auswirken (2017: 2%). Dabei dürfte der Schweizer Aussenhandel wie bereits 2016 von der Exportentwicklung der pharmazeutischen Produkte geprägt sein. Die Importe dürften im Windschatten der stärkeren Exportentwicklung ebenfalls wachsen.

Investitionen sollten wieder anziehen

Die Importentwicklung und noch stärker die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen sind von Sonderfaktoren wie dem Import von Flugzeugen und Rollmaterial geprägt. Die konjunkturelle Erholung sollte zu langsam steigenden Investitionen führen. Ebenfalls wieder Tritt fassen dürften die Bauinvestitionen (2017: 1.1%) nach einer Stagnation im vergangenen Jahr.

Konjunkturindikatoren zeigen nach oben

Insgesamt geben die verfügbaren Konjunkturindikatoren der KOF, u.a. das Konjunkturbarometer sowie die Konjunkturumfragen, nunmehr Anlass für eine etwas optimistischere Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung, nach einer für viele Schweizer Unternehmen schwierigen Zeit. Für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung rechnet die KOF mit Wachstumsraten des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) von 1.5% in diesem und 1.9% im nächsten Jahr.

Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken hält an

Der Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken hält an. In jüngster Zeit schwankte der Kurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro zwischen 1.06 und 1.08 CHF/EUR. In ihrer neuen Prognose geht die KOF davon aus, dass der Kurs auf einem Niveau von 1.07 CHF/EUR verbleibt.

Unternehmensmargen stehen weiterhin unter Druck

Aufgrund des starken Frankens sind die Margen der Unternehmen weiterhin unter Druck. Dieser Druck in jenen Wirtschaftsbereichen, die dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, wird weitere Rationalisierungen zur Folge haben. Deswegen sind steigende Beschäftigtenzahlen praktisch nur in personalintensiven und geschützten Branchen wie dem Unterrichtssektor sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen zu erwarten.

Das Beschäftigungswachstum wird insgesamt vergleichsweise gering ausfallen und die registrierte Arbeitslosigkeit dürfte auf dem heutigen Niveau verbleiben (2017 und 2018: 3.3%). Für die international vergleichbare Arbeitslosenquote gemäss ILO-Definition, die auch die nicht amtlich registrierten Arbeitslosen umfasst, erwartet die KOF einen geringfügigen Anstieg von 4.6% in diesem Jahr auf 4.7% im Jahr 2018.

Teuerung dürfte nur moderat zulegen

Aufgrund der schleppenden Arbeitsmarktentwicklung und der negativen Preisentwicklung im vergangenen Jahr bleibt die Lohnentwicklung schwach. Angesichts dessen und wegen des anhaltend starken Frankens wird die Teuerung kaum zulegen. Für dieses Jahr erwartet die KOF einen Anstieg der Konsumentenpreise (2017: 0.3%), der auf etwas höheren Preisen von Erdölprodukten gegenüber dem Vorjahr sowie temporär höheren Preisen für frische Produkte beruht. Ein breiter Teuerungsdruck ist im Inland in der nächsten Zeit aber nicht auszumachen.

Langfristzinsen dürften Anfang 2018 wieder positiv werden

Die tiefen Zinsen im Euroraum stehen weiterhin einer Reduktion der negativen Kurzfristzinsen in der Schweiz im Weg, so dass diese Zinsen erst nach Ende des Prognosehorizonts 2018 wieder steigen dürften. Die Langfristzinsen dürften aber schon früher ansteigen; voraussichtlich werden sie Anfang 2018 wieder positiv werden.

Detail- und Grosshandel trägt unterdurchschnittlich zur Wirtschaftsentwicklung bei

Für das vergangene Jahr zeigen die Quartalsschätzungen ein uneinheitliches Bild der Konjunkturentwicklung. Das Wachstum der Produktion war im letzten Jahr mit 1.3% verhalten. Der Detail- und Grosshandel trug leicht unterdurchschnittlich zur Wirtschaftsentwicklung bei. 

Der Detailhandel litt weiterhin unter dem starken Franken, der zu erheblichen Umsatzeinbussen geführt hat. Zwar steigen die Auslandseinkäufe in jüngster Zeit nicht mehr an, eine Abnahme zeichnet sich aber auch nicht ab. Die reale Wertschöpfung im Transithandel (als Teil des Grosshandels) erhöhte sich im letzten Jahr mit mehr als 10% schwächer als in den beiden Vorjahren (20% bzw. 16%).

Gesundheits- und Sozialwesen zeigt stärksten Zuwachs

Den stärksten Zuwachs verzeichnete im letzten Jahr das Gesundheits- und Sozialwesen. Mit einem Wachstum von 4.8% ist der Anteil dieser Branche an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung auf 7.9% gestiegen. Für den Arbeitsmarkt ist die Branche noch wichtiger: 14.1% der Beschäftigten bzw. 12.4% der vollzeitäquivalenten Beschäftigung entfiel im letzten Jahr auf das Gesundheits- und Sozialwesen. Das Gesundheits- und Sozialwesen wird im Prognosezeitraum weiterhin robust wachsen.

Handel sollte die Wertschöpfung 2017 und 2018 wieder steigern können

Der Handel insgesamt wird nach einem sehr schwachen Halbjahr 2016 in diesem und insbesondere im kommenden Jahr die Wertschöpfung steigern können. Im Gastgewerbe wird sich nach den schwierigen Jahren die Situation nun allmählich stabilisieren. Im Bereich Finanzdienstleistungen und bei den Versicherungen wird sich die Geschäftstätigkeit in diesem und im kommenden Jahr lebhaft entwickeln.

 
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