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Die meisten Schweizer Anleger wünschen sich Entscheidungsfreiheit

Dienstag, 16.05.2017

Minuszinsen auf den Privatkonten würde die Schweizer Bevölkerung mit einem Abzug der Gelder quittieren. Stattdessen würde sie das Geld in Immobilien oder Wertschriften investieren oder es an einem anderen Ort aufbewahren.

Das Finanzwissen der Schweizer Bevölkerung hat 2017 gemessen am AXA IM Wissensindex das höchste Niveau in zehn Jahren erreicht. Der Wissensindex ist zentraler Bestandteil der bevölkerungsrepräsentativen Studie «Fondswissen 2017», die „amPuls Marktforschung“ im Auftrag von AXA Investment Managers (AXA IM) jedes Jahr durchführt.

Der Wissensindex unterteilt die Schweizer Wohnbevölkerung abhängig von ihrem Wissensstand in Finanzangelegenheiten in die Typen «Profis», «Fortgeschrittene», «Anfänger» und «Unwissende». Seit der Wissensindex 2010 unter dem Eindruck der Finanzkrise mit 43 Punkten einen Tiefpunkt erreichte, ist er zuletzt auf 53 Punkte gestiegen. Der Anteil der Fortgeschrittenen und Profis hat sich in diesem Zeitraum von einem Drittel auf gut die Hälfte erhöht.

Kunden haben heute mehr Wissen und sind besser vorbereitet

«Es scheint, dass die Schweizer Bevölkerung aus den Erfahrungen der Finanzkrise gelernt hat, Verantwortung für ihr Finanzwissen übernimmt und die Marktentwicklung realistischer einschätzt, kommentiert André Thali von AXA Investment Managers das Ergebnis der jüngsten Studie. Für ihn spiegelt der Indexanstieg der letzten Jahre auch den einfacheren Zugang zu Finanzinformationen, die sich zudem qualitativ verbessert haben, wider. Kunden gehen nach seiner Einschätzung heute besser vorbereitet in das Gespräch mit ihrem Berater als noch vor zehn Jahren.

Wissen über Merkmale von Fonds und Fondsarten wächst

Eine überwiegende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung weiss, dass sie Fonds nicht nur bei ihrer Hausbank kaufen kann. Immer bekannter ist ihr auch, dass sie Fondsanteile in der Regel täglich verkaufen kann. Verbessert hat sich ausserdem ihr Wissen bezüglich der Fondsarten. Inzwischen weiss nahezu die Hälfte der Befragten, dass Obligationenfonds auch als Anleihefonds bezeichnet werden. Gut jedem zweiten Befragten ist bekannt, dass es Investmentfonds gibt, die speziell zum Schutz von Inflation entwickelt wurden. Fast drei Viertel der Befragten können benennen, dass es nicht die risikofreudigen Anleger sind, für die Obligationenfonds besonders geeignet sind. Andererseits ist der Anteil derjenigen, die Investmentfonds für ebenso riskant halten wie Aktien, deutlich gestiegen.

Hier zeigt sich ebenso ein Erklärungs- bzw. Beratungsbedarf wie beim Insolvenzschutz, der nach wie vor über der Hälfte der Befragten nicht bekannt ist, wie Thali betont. Gerade klassischen Sparern wären hier die Vorteile von Fonds vor Augen zu halten. Denn die Einlagenversicherung im Fall der Insolvenz ihrer Bank ist betragsmässig begrenzt, während sich der Insolvenzschutz bei Fondsanbietern jeweils auf das gesamte Vermögen erstreckt, das Anleger in ihre Fonds investiert haben.

Finanzwissen steigt mit Verdienst und Vermögen

Die Befragten schätzen ihr Finanzwissen umso höher ein, je mehr sie verdienen respektive je grösser ihr Vermögen ist. Befragte, die im AXA IM Wissensindex als Profis abschneiden, und solche, die ein Vermögen über 250‘000 Franken ausweisen, geben an, am besten Bescheid zu wissen. Desto eher sind sie auch in Fonds investiert.

Jeder fünfte Befragte ist in Fondsanlagen investiert

Insgesamt ist der Fondsbesitz stabil geblieben. Wie schon in der letzten Befragung vor zwei Jahren ist jeder fünfte Befragte in Fondsanlagen investiert. Auch beim Interesse der Fondsanlagen gab es keine grosse Änderung. Einen signifikanten Anstieg gab es einzig bei den Befragten, die sich hinsichtlich ihres Finanzwissens als Laien einstufen und die in Bezug auf ihren Wissensstand zu den Unwissenden zählen.

Mangelnde Mittel sind Grund für Desinteresse an Fondsanlagen

Ein steigender Anteil der Befragten gibt mangelnde Mittel als Grund für ihr Desinteresse an Fondsanlagen an. Dafür könnte zum einen das konjunkturelle Umfeld verantwortlich sein. Die Teuerungsrate, die erstmals seit drei Jahren wieder positiv ist, schränkt bei gleich bleibenden oder rückläufigen Einkommen die verfügbaren Mittel ein. Zum anderen könnte den betreffenden Befragten zu wenig bekannt sein, dass auch kleinere Beträge in Fonds investiert werden können, was wiederum einen Beratungsbedarf aufzeigen würde.

Performance-Erwartungen von vielen sind realistisch

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld geht die Hälfte der Schweizer Bevölkerung davon aus, dass sich der Wert ihrer Anlagen und Ersparnisse dieses Jahr nicht verändert. Ein knappes Drittel erwartet einen minimalen Gewinn, nur jeder Zehnte geht von einem Wertverlust aus.

Unter Fondsbesitzern ist Präferenz für Fonds in der Altersvorsorge ausgeprägt

Unter den Profis und Fondsbesitzern ist auch die Präferenz für Fonds in der Altersvorsorge stark ausgeprägt. Schon 2015 waren zwei Drittel der Fondsbesitzer der Meinung, dass sich Fonds gut für die Altersvorsorge eignen; nun sind es bereits drei Viertel.

Anteil jener, die eigenständig für ihre Altersvorsorge sparen möchten, steigt

Von den Nicht-Fondsbesitzern hat in den letzten Jahren rund die Hälfte der Befragten Fonds für geeignet gehalten. Dass sie dennoch nicht in Fonds investiert sind, begründet ein steigender Anteil mit fehlenden finanziellen Möglichkeiten. Ausserdem steigt der Anteil an Befragten, die lieber eigenständig für ihre Altersvorsorge sparen möchten.

Zwei Drittel rechnen mit stabilem Franken-Wechselkurs

Nahezu zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung gehen davon aus, dass der Wert des Fran-kens gegenüber dem Euro innert Jahresfrist unverändert bleiben wird. Diese Einschätzung könnte Ausdruck davon sein, dass die Schweizer Bevölkerung ihrer Heimwährung nach wie vor die Rolle des sicheren Hafens attestiert. Einen Einfluss könnte ausserdem der «Home Bias» haben, wonach Schweizer Anleger bevorzugt in Schweizer Franken denken und inves-tieren.

Minuszinsen werden nicht goutiert

Würden die Banken Minuszinsen auf Privatkonten erheben, begegnete die Schweizer Bevölkerung einem solchen Schritt vor allem mit Investitionen in Immobilien oder Wertschriften. Knapp 40% der Befragten würden das Geld von ihren Konten abziehen – allerdings nicht, um es auszugeben, wie es die Volkswirte und Notenbanken mit den Negativzinsen auch bewirken wollen. Statt den Konsum anzukurbeln, würden die betreffenden Befragten das Geld lieber bar zu Hause oder im Schliessfach einer Bank aufbewahren. Mit dieser Haltung manifestiert die Schweizer Bevölkerung eine Präferenz für Bargeld. Allerdings würde sie mit einem solchen Vorgehen gleichwohl einen Kaufkraftverlust riskieren, wenn die Inflation steigt.

Beratung bleibt wichtig

Im Hinblick auf die Standardisierung der traditionellen Anlageberatung und die Bestrebungen einiger Anbieter, Kleinkunden mit der Einführung des Finanzdienstleistungsgesetzes (Fidleg) keine Anlageberatung mehr anzubieten, sollten sich die Finanzinstitute bewusst sein, dass 90% der Schweizer Bevölkerung Beratung bei der Anlage in Fonds nach wie vor für wichtig erachten, mahnt Thali. Dies treffe insbesondere auf Nicht-Fondsbesitzer und Laien zu.

Vertrauen in den Berater beeinflusst den Kaufentscheid

Den Kauf von Fonds macht die Schweizer Bevölkerung in erster Linie davon abhängig, wie sehr sie dem Berater vertraut. Der Berater ist für sie zudem die wichtigste Informationsquelle wenn es um den Fondskauf geht, obschon online eine Fülle an Informationen verfügbar ist.

Die Nachfrage nach vertrauenswürdiger Beratung hält Thali auch deshalb für wichtig, als eine Mehrheit der Befragten meine, für eine Geldanlage in Fonds seien vertiefte wirtschaftliche Kenntnisse nötig. Fondsanbieter andererseits würden ihre Anlageinstrumente als einfach konzipiert erachten.

Jüngere wollen ihr Finanzwissen aufbessern

Die Schweizer Bevölkerung will sich aber durchaus auch selbst Finanzwissen aneignen, weiss Thali. Ein Drittel der Befragten sei gar bereit, zur Verbesserung ihrer Finanzkenntnisse etwas zu bezahlen. Besonders ausgeprägt sei die Zahlungsbereitschaft bei der jüngeren Bevölkerung zwischen 18 und 39 Jahren. Als einen Grund sieht Thali den Umstand, dass die letzten selbst bezahlten Ausbildungen bei den meisten noch nicht weit zurücklägen.

Zwei Drittel wollen Anlageentscheide nicht nur dem Berater überlassen

Der Stellenwert der Beratung spiegelt sich gemäss Studie auch im Autonomiegrad der Anlageentscheidungen wider. Nahezu zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung wollen zusammen mit dem Berater entscheiden, ihm also den Entscheid nicht einfach überlassen, sondern eine gewisse Eigenverantwortung übernehmen und zumindest gefühlt Entscheidungsfreiheit haben. So sind beispielsweise nur jedem fünften Befragten ETF bekannt, obschon diese Fondsart breit beworben wird und in der Vermögensanlage weitverbreitet ist. Dies legt den Schluss nahe, dass sich Anleger gleichwohl stark auf das Urteil des Beraters verlassen und sich nicht näher mit dem gewählten Finanzinstrument befassen.

Ein Drittel will Anlageentscheidungen selbst fällen

Ein knappes Drittel der Schweizer Bevölkerung möchte ihre Anlageentscheidungen selbst fällen. Für den sogenannten Self-Directed-Anlegertyp sind eine einfache und günstige Ab-wicklung wichtig, rät Thali. Bei Bedarf wolle der Kunde auf den Bank-Research zugreifen und sich im Einzelfall den Berater als Sparringspartner an die Seite holen können. Am stärksten vertreten sei dieser Anlegertyp in den Kategorien der gut Informierten und Besserverdienenden.

Aspekt Nachhaltigkeit spielt für drei Viertel eine wichtige Rolle

Bei ihren Anlageentscheidungen spielt für drei Viertel der Schweizer Bevölkerung der Aspekt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Allerdings sind immer noch fast der Hälfte der Befragten keine geeigneten Anlageprodukte bekannt – ein brachliegendes Potenzial für Beratung und Vertrieb, wie André Thali meint.

Obwohl nachhaltige Anlagen den Performance-Vergleich mit herkömmlichen Anlagen keineswegs zu scheuen brauchten und diese teilweise gar überflügelten, halte sich das Vorurteil des Renditenachteils hartnäckig. Dies wohl nicht zuletzt, weil auch verschiedene Experten den Renditenachteil ins Feld führen und so Zweifel bei den Anlegern schüren würden.

 
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