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Die EZB hält an ihrer sehr lockeren Geldpolitik fest

Donnerstag, 09.03.2017

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer bisherigen sehr lockeren Geldpolitik fest. Der Leitzins bleibt somit bei 0.0%. Punkto Wachstumsausblick für die Eurozone zeigt sich die EZB etwas weniger vorsichtig.

Die Europäische Zentralbank (EZB) gab nach ihrer heutigen Sitzung bekannt, dass sie den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sowie die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität unverändert bei 0.00%, bzw. bei 0.25% und bei -0.40% belässt. Der EZB-Rat geht weiterhin davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden.

EZB scheint Wachstumsaussichten etwas positiver zu beurteilen

Laut Analysten der Credit Suisse ist die EZB von ihrer sehr zurückhaltenden Haltung leicht abgewichen. Sie hat die Wortwahl in ihrem Wachstumsausblick leicht verändert, indem sie die Aussage, wonach sie gegebenenfalls alle verfügbaren Instrumente nutzen werde, entfernt hat. Auch gab es offenbar keine Diskussion über eine Verlängerung des TLTRO-Programms (gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte).

Tatsächlich wies EZB-Präsident Mario Draghi darauf hin, dass innert dreier Jahre mehr als 4 Millionen Jobs in der Eurozone geschaffen worden seien, dass die Stimmungsindikatoren auf dem höchsten Stand seit 2011 notierten und die Arbeitslosenquote mit 9.6% auf dem niedrigsten Niveau seit Mai 2009 liege. Für 2017 rechnet die EZB mit 1.8% Wirtschaftswachstum und einer Inflationsrate von 1.7%, was verglichen zur Prognose vom letzten Dezember 0,4 Prozentpunkte höher liegt.

Für eine Zinserhöhung gibt es aktuell keine Hinweise

In der Pressekonferenz beschrieb EZB-Präsident Mario Draghi die Sitzung als einvernehmlich, was gemäss CS-Analysten darauf hindeute, dass die gegenwärtig herrschende Vorsicht hinsichtlich des Inflationsausblicks und die leichte Anhebung des Wachstumsausblicks von einer breiten Mehrheit des EZB-Rats geteilt werde. Die Teuerung in der Eurozone lag im Februar mit 2.0% erstmals seit vier Jahren wieder leicht über dem Notenbank-Ziel von knapp unter 2%. Mario Draghi gab jedoch keinen Kommentar zu den Marktspekulationen ab, dass die EZB den Einlagenzins noch vor Ende des QE-Programms (quantitative Lockerung) anheben könnte. Dies wohl auch deshalb, weil die Kerninflation, also die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel, seit einigen Monaten bei 0.9% notiert. Die Notenbank fokussiert hierbei besonders auf die Löhne, deren Entwicklung in der Eurozone immer noch gedämpft verläuft.

Forward-Guidance dürfte an der nächsten Sitzung folgen

Die CS-Analysten erwarten, dass die EZB an ihrer nächsten Sitzungen – sofern die Daten weiterhin ein robustes Wachstum, eine sinkende Arbeitslosigkeit und im Idealfall eine langsam steigende Kerninflation zeigen –ihren Weg zu einer neutraleren Geldpolitik fortsetzen wird. Die nächsten Schritte könnten ihrer Meinung nach das Streichen der Formulierung «Die Risiken für den Wachstumsausblick des Euroraums [...] tendieren immer noch nach unten und stehen hauptsächlich in Verbindung mit globalen Faktoren» sein, potenziell gefolgt von einer Anpassung des Satzes, dass die Leitzinsen «auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben oder sinken» dürften. 

Hinweise zum Verlauf des Anleihenkaufprogramms werden im September erwartet

Wann die EZB tatsächlich Hinweise zum QE-Ausblick nach Dezember 2017 geben könne, werde offensichtlich von den Datenentwicklungen der kommenden Monate abhängen, so die CS-Analysten. Insgesamt kauft die EZB in diesem Jahr für 780 Milliarden Euro Anleihen um die langfristigen Zinsen weiter zu drücken, was die Wirtschaft ankurbeln soll.

Die CS-Analysten sehen in der Sitzung vom September eine überzeugende Möglichkeit, um weitere Hinweise zu liefern. Bis dahin würden neue Prognosen vorliegen, und es seien noch rund vier Monate bis zum Ende der aktuellen Richtlinienperiode, ähnlich wie bei der Sitzung im Dezember 2016, als ebenfalls noch vier Monate bis zum Ende der Richtlinienperiode im März 2017 verblieben seien.

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