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Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht rügt Schweizer Banken

Donnerstag, 07.04.2016

Schweizer Banken sind trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen von Geldwäscherei betroffen. FINMA-Chef Mark Branson appelliert deshalb an die Banken, die geltenden Regeln konsequenter durchzusetzen.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA hat Hinweise, dass die Massnahmen zur Geldwäschereibekämpfung und das Risikomanagement bei verschiedenen Banken ungenügend sind, wie sie an ihrer Jahresmedienkonferenz mitteilte. Konkret geht es um Schweizer Banken, die in den Korruptionsskandal um die brasilianische Petrobras sowie in die Geldflüsse um den malaysischen Staatsfonds 1MDB involviert sind. Die FINMA hat nun bei über 20 Banken Abklärungen vorgenommen und führt in sieben Fällen Verfahren gegen beaufsichtigte Institute durch.

Banken müssen konsequenter gegen Geldwäscherei vorgehen

Mark Branson, Direktor der FINMA, fordert die Schweizer Banken deshalb auf, stärker gegen Geldwäscherei vorzugehen. Das Risiko, dass Gelder in der Schweiz gewaschen würden, nehme zu. Oft würden die Banken erst dann aktiv, wenn Medien bereits über solche Fälle berichtet hätten. So gingen etwa 28% der Hinweise über verdächtige Gelder auf Medienberichte zurück, sagte er mit Verweis auf Daten der Meldestelle für Geldwäscherei.

Nur ein Fünftel der Meldungen basiert auf internen Leistungen der Banken

Lediglich 18% der Meldungen seien allein auf interne Leistungen der Banken zurückzuführen. Branson forderte die Banken auf, zweifelhafte Kundenbeziehungen oder Transaktionen vermehrt von sich aus zu melden. Tatsächlich rechnet er damit, dass die Banken im Zuge der „Panama-Papers“-Enthüllungen den Behörden in nächster Zeit mehr Verdachtsfälle melden werden. 

FINMA lehnt automatisierte Meldungen ab

Branson lehnt automatisierte Meldungen, wie sie in den USA vorkommen, jedoch ab. In den USA wird jede Transaktion ab einer gewissen Summe den Behörden automatisch gemeldet. Das generiere eine Flut von redundanten Daten, wie Branson äusserte. Die wirklich verdächtigen Meldungen gingen in dieser Big-Data-Flut unter.

Ampel-System soll rechtzeitig warnen

Branson will die Regeln nicht verschärft sehen. Die bestehenden Regeln müssten aber konsequenter umgesetzt werden. Hier sieht er auch die FINMA gefordert; sie will künftig stärker präventiv tätig werden, wozu sie ein Ampelsystem lanciert. Damit werden die Banken künftig nach Geldwäscherei-Risiko eingestuft.

Wird eine Bank mit Rot klassiert, bedeutet dies ein erhöhtes Risiko für Geldwäscherei. Darunter fallen zurzeit offenbar 14 Banken. Bei jedem dieser Institute sei man aktiv geworden. Um die Risiken einzuschätzen, stützt sich die Behörde auf verschiedene Kriterien, beispielsweise die Anzahl sogenannter politisch exponierter Kunden (PEP), oder den Anteil von Geldern aus Schwellenländern.

Anteil der Gelder aus Schwellenländern hat zugenommen

Der Anteil der verwalteten Vermögen aus Schwellenländern hat bei vielen Schweizer Banken in den letzten Jahren zugenommen, wie Branson erläutert. Die FINMA ortet darin ein erhöhtes Geldwäscherei-Risiko. Der Grund sei darin zu suchen, dass es bei Geldern aus Schwellenländern oftmals schwierig zu bestimmen sei, ob diese aus kriminellen Quellen stammten oder ob Korruption dahinter stecke.

Schweizer Finanzplatz kämpft um seine Reputation

Solche Gelder könnten der Reputation des Schweizer Finanzplatzes schaden, wie Branson meint. Es würden zwar auch Gelder über Banken im Ausland gewaschen. Als weltweit grösster Standort für das grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsgeschäft mit Privatkunden sei die Schweiz aber naturgemäss höheren Risiken ausgesetzt.

 
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