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Der Schweizer Detailhandel dürfte 2017 weiter stagnieren

Mittwoch, 04.01.2017

Die Detailhandelsumsätze in der Schweiz sind 2016 um 1.0% gesunken. Für das Jahr 2017 erwartet die Credit Suisse stagnierende Umsätze. Während der Einkaufstourismus vor Ort eher abflacht, wächst der Onlinehandel weiter.

Auch 2016 sah sich der Schweizer Detailhandel mit einem herausfordernden Jahr konfrontiert. Gemäss den Ökonomen der Credit Suisse sank die reale Nachfrage, was zusammen mit leicht tieferen Preisen auch im zweiten Jahr nach der Aufhebung des Euro-Franken-Mindestkurses zu rückläufigen nominalen Branchenumsätzen führte (1.0% ggü. 2015). Der Einkaufstourismus, der 2016 dank eines relativ stabilen EUR/CHF-Wechselkurses auf hohem Niveau stagnierte, dürfte 2017 etwa gleich stark bleiben. So erwarten die Ökonomen der Credit Suisse für das Jahr 2017 stagnierende Umsätze, was nach dem Negativtrend der letzten zwei Jahre einer Stabilisierung gleichkommt. Auch die vom Beratungsunternehmen Fuhrer & Hotz befragten Branchenvertreter sehen die Lage optimistischer als noch im Vorjahr: Rund 60% gehen von einem Umsatzplus aus. Dies geht aus dem aktuellen «Retail Outlook» der Credit Suisse hervor.

Bekleidungs- und Schuhdetailhändler litten 2016 am meisten

Die Abwärtsdynamik hat sich gemäss den Ökonomen der Credit Suisse in gewissen Segmenten verlangsamt. Die einzelnen Bereiche entwickelten sich 2016 jedoch sehr unterschiedlich: Während der Food-Detailhandel wieder ein leichtes nominales Umsatzwachstum verzeichnen konnte (+0.2% ggü. Vorjahr), litten die Detailhändler im Non-Food-Segment immer noch unter einem zum Teil deutlichen Umsatzrückgang, der sich im Vergleich zu 2015 nur leicht abschwächte. Innerhalb des Non-Food-Detailhandels gerieten die Bekleidungs- und Schuhdetailhändler verstärkt in Schieflage. So nahm deren Umsatzminus gegenüber 2015 nochmals deutlich zu (2016: -7.8% ggü. Vorjahr, 2015: -4.1%).

Einkaufstourismus verharrte auf Vorjahresniveau

Der Einkaufstourismus stabilisierte sich 2016 auf sehr hohem Niveau. Die Ökonomen der Credit Suisse vermuten dies aufgrund der Mehrwertsteuereinnahmen an den Schweizer Grenzzöllen. Während sich die Auslandeinkäufe vor Ort im abgelaufenen Jahr leicht zurückgebildet haben dürften (-6.2% ggü. 2015), gehen die CS-Ökonomen davon aus, dass der grenzüberschreitende Onlinehandel weiterhin von einer starken Wachstumsdynamik profitierte. Insgesamt dürfte 2016 jeder zehnte Detailhandels-Franken im Ausland ausgegeben worden sein.

Impulse für ein deutliches Umsatzwachstum sind auch 2017 zu schwach

Für den gesamten Detailhandel im Jahr 2017 gehen die CS-Ökonomen von einer Stagnation der nominalen Umsätze aus – was nach den schwachen Vorjahren einer Stabilisierung gleichkomme. Für eine dynamischere Erholung fehlen gemäss Einschätzung der Ökonomen deutliche Wachstumsimpulse aus der Gesamtwirtschaft. Sie gehen davon aus, dass sich die Konsumentenstimmung aufgrund der stagnierenden Arbeitslosenquote 2017 höchstens zögerlich verbessern wird. Da 2017 die Inflation in die Schweiz zurückkehren dürfte, wird die Konsumkaufkraft trotz geringfügigen Nominallohnerhöhungen kaum zunehmen. Sofern der Franken gegenüber dem Euro nicht nochmals deutlich aufwertet, dürften die stationären Auslandeinkäufe der Schweizer Bevölkerung 2017 zudem zwar nicht weiter zu-, aber höchstens leicht abnehmen. Somit wird die reale Nachfrage in erster Linie dank des Bevölkerungswachstums 2017 leicht zulegen.

Detailhandelspreise dürften 2017 weiter sinken

Die Detailhandelspreise dürften jedoch wie in den vergangenen Jahren auch 2017 sinken. Im Hinblick auf die verhaltenen Branchenaussichten fallen auch die Verkaufsflächen-Expansionspläne der Umfrageteilnehmer von Fuhrer & Hotz für 2017 so defensiv aus wie seit 2009 nicht mehr. Dabei sind die Pläne der Food-Detaillisten offensiver als diejenigen der Non-Food-Detailhändler. Trotzdem nehmen die von Fuhrer & Hotz befragten Detailhändler und Hersteller das Jahr 2017 hoffnungsvoll in Angriff: Rund 60% gehen für 2017 von einem Umsatzplus aus. 

Food/Near-Food-Segment wird sich 2017 besser als der Non-Food-Bereich entwickeln

Vom leichten realen Nachfragewachstum werden in erster Linie die Detaillisten des Food/Near-Food-Segments profitieren. Zudem sollten diese die Preise 2017 im Vergleich zum Vorjahr in etwa halten können. Im Non-Food-Segment dürften die Preise jedoch auch 2017 rückläufig bleiben. So dürften die nominalen Umsätze im Food-Detailhandel leicht wachsen, während das Non-Food-Segment weiterhin mit einem Umsatzrückgang konfrontiert sein wird, der aber schwächer ausfällt als 2016.

Wachstum im Onlinehandel setzt sich mit aller Kraft fort

Für die momentan herausfordernde Situation vieler stationärer Non-Food-Detailhändler ist unter anderem der aufstrebende E-Commerce mitverantwortlich. Schweizer Konsumenten kauften 2015 Waren im Internet im Wert von schätzungsweise 7.5 Milliarden Franken ein, also rund 5% aller Detailhandelsumsätze. In den letzten sieben Jahren verzeichnete der E-Commerce ein eindrückliches Wachstum von jährlich 6.4%. Dieses Wachstum dürfte sich künftig dynamisch fortsetzen. Die Ökonomen der Credit Suisse gehen in ihrem aktualisierten Onlinehandel-Szenario davon aus, dass der Anteil des E-Commerce an den Detailhandelsumsätzen innerhalb der nächsten fünf Jahre auf über 10% ansteigen wird. Besonders im Bekleidungs- und Heimelektroniksegment dürfte der E-Commerce bis 2022 einen erheblichen Anteil der Gesamtumsätze auf sich vereinen (27% bzw. 38%).

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