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Altersvorsorge 2020: SGB sieht den Nationalrat auf «Crashkurs»

Donnerstag, 29.09.2016

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund sieht den Nationalrat in der Beratung der "Altersvorsorge 2020" auf «Crashkurs». Dies wegen des Interventionsmechanismus in der AHV, der gegebenenfalls die Anhebung des Rentenalters auf 67 vorsieht.

Die Mehrheit des Nationalrats habe gestern unter dem Motto «länger arbeiten und viel mehr bezahlen» in der Beratung der "Altersvorsorge 2020" einen Crashkurs verfolgt, wie der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) schreibt. Der Automatismus für Rentenalter 67 sei nicht mehrheitsfähig. Allen Beschwichtigungen zum Trotz sieht der SGB in dem beschlossenen Interventionsmechanismus für die AHV ein vorprogrammiertes Rentenalter 67 im nächsten Jahrzehnt. Dies obschon immer mehr ältere Arbeitnehmenden um ihre Arbeitsstelle bangen müssten und kaum Chancen hätten, bei Stellenverlust wieder eine Anstellung zu finden, kritisiert der SGB. Rentenalter 67 werde somit zu einer Massen-Aussteuerung führen.

Frauen sind doppelt benachteiligt

Bald schon länger arbeiten müssten die Frauen. Betroffen seien bereits die heute 62-jährigen Frauen, ohne dass diese Leistungsverschlechterung kompensiert werde. Und dies obwohl Frauen schon heute mit Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen hätten und sie in der Pensionskasse gegenüber den Männern benachteiligt seien, weil sie nach wie vor den Grossteil der Betreuungs- und Hausarbeit schulterten, moniert der SGB.

Belastet werden auch Junge, Familien und KMU

Schlecht sieht es auch für die Beitragszahler in den Pensionskassen aus, so der SGB weiter. Zwar hätten FDP und SVP nach dem Abstimmungskampf zu AHVplus kalte Füsse bekommen und seien nun bereit, Rentenverluste in den Pensionskassen wirklich zu kompensieren. Doch statt auf die kostengünstigste Lösung mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis zu setzen, wie sie der Ständerat mit dem AHV-Zuschlag von 70 Franken beschlossen habe, setze der Nationalrat auf ein Modell, bei dem insbesondere junge Menschen bluten müssten.

Die Beitragslast für die berufliche Vorsorge würde gemäss dem Nationalratsmodell sofort sehr stark ansteigen. Bei einem Jahreslohn von 70'000 Franken stiegen die jährlichen Lohnbeiträge um 1'500 Franken pro Jahr. Die gleiche Summe müsse auch der Arbeitgeber zusätzlich aufwerfen. Zusammen mit den steigenden Krankenkassenprämien für die Kinder würden junge Familien in Bedrängnis kommen. Dank der von SVP und FDP beschlossenen Aufblähung der 2. Säule würden die Lohnnebenkosten explodieren, was gerade die KMU stark belaste.

Vorlage ist nicht mehrheitsfähig

Die Beitragsfranken in der Altersvorsorge müssten effizient eingesetzt werden. Dies sei hier nicht der Fall, so das Fazit des SGB. Eine seriöse Beratung über die Altersvorsorge sehe anders aus. «In der vorliegenden Form ist die Vorlage nicht mehrheitsfähig», warnt der Gewerkschaftsbund.

 
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