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Niedrige Renditen treiben institutionelle Anleger in risikoreichere Anlagen

Dienstag, 14.03.2017

Institutionelle Investoren nehmen zugunsten höherer Erträge und Renditen immer mehr Risiken in Kauf. Dies umfasst privatwirtschaftliche Investitionen, Engagements in illiquiden Vermögenswerten und alternative Anlageoptionen.

Rund 62% der institutionellen Manager haben den Eindruck, trotz der ausgeprägten Wertschwankungen am Markt (die ihrer Meinung nach die grösste Gefahr für ihre Performance darstellen) mit dem kurzfristigen Marktrisiko fertigwerden zu können. Den meisten Anlass zur Sorge geben ihnen jedoch die niedrigen Renditen. Nur wenige verlassen sich noch auf traditionelle Portfoliostrategien, um ihre Wertentwicklungsziele zu erreichen. Stattdessen zählen sie auf den Einsatz von privatwirtschaftlichen Investitionen, Engagements in illiquiden Vermögenswerten, die verstärkte Nutzung alternativer Anlageoptionen und setzen einen stärkeren Fokus auf Risikobudgetierung und Diversifikation. Zu diesem Ergebnis gelangt eine internationale Umfrage unter institutionellen Investoren, die von Natixis Global Asset Management vorgestellt worden ist.

Vermeidung von Risiken ist keine Option

Rund 75% der institutionellen Investoren weltweit glauben, dass aktives Management an den heutigen Märkten günstiger ist. Gleichzeitig verdoppeln institutionelle Investoren ihre Aktivitäten im Bereich Risikomanagement, um so die Anforderungen an Wachstum und Liquiditätsbedarf langfristig besser erfüllen zu können. Sie geben jedoch an, noch bessere Instrumente zur Identifizierung von Risiken in ihren Portfolios zu benötigen.

Die Vermeidung von Risiken ist aufgrund ihrer Mandate keine Option. So müssen sie einen Weg finden, mit diesen grossen Herausforderungen fertigzuwerden, oder aber sich komplett neu aufstellen, indem sie Risiken ausgleichen und Alternativen zum traditionellen 60/40 Portfolio-Aufbau einbeziehen. Dies immer mit Blick auf ihre langfristigen Ziele, wie Timo H. Paul, Leiter deutschsprachige Schweiz, erklärt. Tatsächlich vertrauen in der Schweiz 74% der institutionellen Investoren darauf, künftige Performancerisiken bewältigen zu können. International sind es nur 62% der Anleger. 

Ertragserwartungen könnten sinken

Was ihre jeweiligen Ziele betrifft, so halten 70% der Investoren ihre Ertragserwartungen für realistisch. Dennoch rechnet die Hälfte (50%) der Institutionen damit, dass die Ertragserwartungen in den nächsten 12 Monaten sinken werden. Ein Grund dafür ist die Schwierigkeit, überhaupt noch Ertragsquellen zu identifizieren. So geben 75% der Befragten an, dass sich immer schwerer ein Alpha generieren lässt, weil die Märkte zusehends effizienter werden.

Traditionelle Methoden müssen neuen Ansätzen weichen

Obwohl die meisten zuversichtlich sind, ihre langfristigen Verbindlichkeiten bedienen zu können, gehen 62% davon aus, dass dies den meisten ihrer Mitbewerber nicht gelingen wird. Derweil vertreten 69% die Auffassung, dass traditionelle Methoden zur Diversifikation und zur Portfoliostrukturierung neuen Ansätzen weichen müssen. In der Schweiz setzen mit 74% offenbar sehr viel mehr auf alternative Investments, um den breiten Markt zu schlagen, als 52% im globalen Durchschnitt.

Einsatz von privatwirtschaftlichen Investitionen wird verstärkt

76% der institutionellen Investoren sind der Meinung, dass Private Equity-Investments höhere risikobereinigte Erträge bieten als traditionelle Anlageklassen. Gleichzeitig vertritt über die Hälfte der Befragten (55%) die Auffassung, dass Private Equity auch eine bessere Diversifikation ermöglicht als dies etwa traditionelle Aktien tun.

Nach Einschätzung von 73% der Befragten bieten Private Debt-Engagements höhere risikobereinigte Erträge als traditionelle Anleiheninvestments. Am vielversprechendsten hält man dabei die Segmente Infrastruktur, Gesundheitswesen sowie Technologie, Medien und Telekommunikation. Ausserdem geben viele Befragte an, auch den Einsatz von direkten Darlehen (44%) und besicherten Anleihen (34%) in Betracht zu ziehen.

Allokationen in reale Vermögenswerte werden erhöht

Etwa ein Drittel (34%) der Institutionen äussert zudem, dass man beabsichtige, die Allokationen in reale Vermögenswerte wie Immobilien, Infrastruktur und Flugzeugfinanzierungen in den nächsten 12 Monaten zu erhöhen. Für 63% der institutionellen Manager liegt das Ziel darin, höhere Erträge zu erwirtschaften.

Einsatz von alternativen Investmentstrategien nimmt zu

Über die Hälfte (56%) der Institutionen gibt an, in diesem Jahr auch verstärkt auf alternative Investmentstrategien zu setzen. Die Nutzung alternativer Investments beschränkt sich dabei aber nicht nur auf Wachstumsportfolios. Schliesslich erklären 77% der Befragten, dass alternative Investments mittlerweile auch bei Liability Driven-Investments eine Rolle spielen. Robert Hussey, Executive Vice President der Institutional Services Group, bestätigt, dass institutionelle Investoren im lang anhaltenden Kampf gegen die historisch niedrigen Zinsen immer höhere Risiken eingehen.

Steuerung des Portfolio-Risikos wird zur Kunst

Nur wenige Institutionen setzen bei der Steuerung des Portfoliorisikos ausschliesslich auf höhere Anleihengewichtungen. Obwohl etwas mehr als die Hälfte der Befragten (54%) die Auffassung vertritt, dass eine Diversifikation mittels traditioneller Anlageklassen einen adäquaten Schutz vor Rückschlagrisiken bieten kann, sind nur 3% wirklich fest davon überzeugt, dass diese Strategie im kommenden Jahr ausreichen wird. Die Investoren sind vielmehr der Meinung, dass Risikobudgetierung (87%), Diversifikation über verschiedene Sektoren (86%), Währungsabsicherungen (75%) und der verstärkte Einsatz alternativer Investments (76%) effektivere Methoden zur Steuerung des Portfoliorisikos darstellen.

Strengere Regulierung führt zu eher kurzfristigen Anlagehorizonten und liquideren Anlageformen

Über die Hälfte (55%) der institutionellen Investoren gibt an, sich wegen des Liquiditätsbedarfs nur in begrenztem Masse in alternativen Investments engagieren zu können. Die Entscheidungsträger vieler Institutionen (71%) sind der Auffassung, dass die strengeren Solvenz- und Liquiditätsvorgaben, die von den Aufsichtsbehörden weltweit zuletzt eingeführt worden sind, dazu geführt haben, dass man sich inzwischen stärker auf eher kurzfristige Anlagehorizonte und liquidere Anlageformen konzentriert.

Vor diesem Hintergrund stellt die Bedienung von Verbindlichkeiten, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken, eine beträchtliche Herausforderung dar. So erklären die Befragten, dass ihnen die Abwägung langfristiger Wachstumsziele gegenüber dem langfristigen Liquiditätsbedarf im Hinblick auf das Risikomanagement den grössten Anlass zur Sorge gibt.

ESG-Faktoren spielen eine immer grössere Rolle

Auch die sogenannten ESG-Faktoren (ökologische, soziale und Corporate Governance-Kriterien) spielen bei den Engagements der Investmentteams eine immer grössere Rolle und dienen als Kennzahl für die Identifizierung von Unternehmen und Investmenttrends, die das Wachstumspotenzial des Portfolios auf lange Sicht steigern könnten.

Fast 60% der institutionellen Investoren erklären, dass die Berücksichtigung der ESG-Faktoren eine Möglichkeit darstellt, Alpha zu generieren. Ebenso viele Institutionen halten diese Vorgehensweise für eine Option, um allgemeine Risikofaktoren (wie etwa Gerichtsprozesse, Umweltschäden oder soziale Konflikte) einzudämmen. Parallel dazu gehen 62% der Befragten davon aus, dass alle Manager im Laufe der nächsten fünf Jahre die ESG-Faktoren standardmässig berücksichtigen werden.

Institutionen lagern die Verwaltung ihrer Portfolios vermehrt aus

Über 46% der Befragten geben an, dass eine der grössten Herausforderungen darin bestehe, einen wirklich fundierten Überblick über die unterschiedlichen Risikoengagements auf Portfolioebene zu erhalten. Das Erreichen von Risiko-/Ertragszielen verlangt von den Entscheidungsträgern ferner, auch ausserhalb ihres eigenen Teams nach Spezial-Expertise Ausschau zu halten.

So lagern immer mehr Institutionen die Verwaltung ihrer Portfolios zumindest teilweise aus. Etwa 40% der institutionellen Investoren greifen derzeit auf externe CIOs und/oder Treuhänder zurück. Insgesamt haben jene Organisationen, die externe Dienstleistungen nutzen, das Management von 37% ihres gesamten Anlagevermögens ausgelagert.

Verbindlichkeiten-Management soll helfen, das Liquidationsrisiko zu steuern

Bei den institutionellen Managern hat das Verbindlichkeiten-Management oberste Priorität. 70% der befragten Institutionen setzen schon jetzt Strategien zum Abgleich von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten um, die dazu beitragen sollen, den Verkauf von Vermögenswerten einerseits sowie die Einkommensströme mit den zukünftigen Ausgaben andererseits in Einklang zu bringen, um auf diese Weise das Liquidationsrisiko zu steuern. Viele dieser Strategien basieren zwar nach wie vor auf festverzinslichen Wertpapieren hoher Qualität. Mittlerweile nutzen die institutionellen Investoren bei Liability Driven-Investments (LDI) aber eine breitere Palette von Anlageinstrumenten.

Dazu zählen Absicherungsstrategien (die von 47% genutzt werden), inflationsgebundene Anleihen (44%) und nominale Anleihen (37%). Allerdings halten die Institutionen auch noch nach weiteren Optionen Ausschau. So geben etwa drei Viertel der institutionellen Investoren (77%) an, dass alternative Investments beim Management von LDI-Portfolios eine wichtige Rolle spielen, da diese nicht nur zur Diversifikation und zur Risikobegrenzung beitragen, sondern auch das Portfolio insgesamt optimieren.

Eine beträchtliche Zahl der Befragten (62%) ist der Meinung, dass es den meisten Organisationen trotz des Einsatzes von LDI-Strategien nicht gelingen wird, ihre langfristigen Ziele zu erreichen. Drei von fünf Organisationen (60%) beklagen zudem einen Mangel an Innovationen im Bereich LDI-Lösungen, obwohl nicht so viele (41%) bereit sind, für innovative LDI-Lösungen ein Aufgeld zu bezahlen.

Über die Studie

Natixis hat 500 Manager staatlicher und betrieblicher Altersvorsorgeprogramme, Stiftungen, Versicherungen und Staatsfonds in Nordamerika, Lateinamerika, Grossbritannien, Kontinentaleuropa, Asien und dem Nahen Osten nach ihrer Risikoeinschätzung, ihren Prognosen bezüglich der Asset Allocation sowie ihren Auffassungen zur Tendenz des Marktes befragt. Diese verwalten ein Anlagevermögen von insgesamt 15,5 Bio. US-Dollar. Die Daten wurden im Oktober und im November 2016 vom Research-Unternehmen CoreData erhoben. Die Ergebnisse sind in einem aktuellen Whitepaper mit dem Titel «Double Down» veröffentlicht worden.

Natixis Global Asset Management zählt mit einem verwalteten Vermögen von 877 Milliarden US-Dollar zu den grössten Vermögensverwaltungsgesellschaften weltweit.

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