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Die Versicherungswirtschaft könnte die Finanzdienstleister bald überholen

Freitag, 19.05.2017

Die Versicherungswirtschaft gewinnt für die Schweizer Volkswirtschaft zunehmend an Bedeutung. Ihr Beitrag zum Bruttoinlandprodukt ist in den letzten 10 Jahren von 4.1% auf 4.5% gestiegen. Der Beitrag der Banken jedoch ist von 7.8% auf 4.9% gesunken.

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz hat sich in den letzten zehn Jahren (2006 bis 2016) um einen Fünftel erhöht, von 538,125 Milliarden auf 650,087 Milliarden Franken. Der absolute Beitrag des Finanzstandorts zur Wertschöpfung war dagegen leicht rückläufig. So sank die Wertschöpfung der Finanzdienstleistungen in diesem Zeitraum von 42,175 Milliarden Franken im Jahr 2006 auf 31,766 Milliarden Franken im vergangenen Jahr. Anders gesagt: Der Beitrag der Banken zum BIP ist in den letzten zehn Jahren von 7.8% auf 4.9% gesunken.

Anders bei den Versicherungsdienstleistungen, deren Wertschöpfung von 22,283 Milliarden (2006) auf 29,084 Milliarden Franken (2016) erhöht hat. Ihr Beitrag zum BIP stieg somit von 4.1% auf nunmehr 4.5%. Damit ist die Versicherungsbranche auf dem besten Weg, den Banken in Bezug auf ihre volkswirtschaftliche Bedeutung den Rang abzulaufen, wie aus den Kennzahlen des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) hervor geht.

Banken leiden unter den Umwälzungen der Branche

Sowohl die Schweizer Grossbanken als auch die Privatbanken in Zürich und Genf leiden als Folge der internationalen Finanzkrise unter den Umwälzungen in der Branche. Gemäss Martin Eling, Professor am Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen, haben die Banken in den letzten 10 Jahren einen grossen Strukturumbruch erlebt. Die Assekuranz blieb davon weitestgehend verschont.

Aber auch neuere Entwicklungen, etwa die Digitalisierung der Branche, haben bei den Banken tiefere Spuren hinterlassen als bei den Versicherern. Das Umfeld für Investitionen ist heute transparenter und die Anlageberatung weniger gefragt, weiss Eling. Das schmälert die Einnahmen. Auch Niedrigzinsen, die Handelsflaute bei den Kunden und die Konkurrenz durch neue Anbieter drücken auf die Erträge. Nicht zuletzt die Weissgeldstrategie und internationale Prozesse um Steuergelder setzen den Banken zu.

Versicherer profitieren von volkswirtschaftlichem Wachstum

Gemäss Ernst & Young (EY) folgt das Geschäftsmodell der Versicherer stärker den makroökonomischen Entwicklungen und ist zudem längerfristig ausgelegt. EY sieht drei Haupttreiber für das Prämienwachstum von Versicherern: BIP-Wachstum, Bevölkerungswachstum und die Zunahme versicherbarer Risiken. Tatsächlich ist das Schweizer BIP ist in den letzten zehn Jahren um rund 20% gewachsen, während die Bevölkerung um rund 11% zugenommen hat.

Die Schweizer Versicherungswirtschaft profitiert von zwei weiteren Faktoren: Den Krankenversicherern, zumal die Krankenversicherung in der Schweiz obligatorisch wenn auch Privatsache ist, sowie den Rückversicherern. 

Viele Rückversicherer wollen heute in Europa präsent sein, und einen Teil davon zieht es nach Zürich. Dies umso mehr, als der einstige Rückversicherungs-Hub, die Bermudas, nach einer OECD-Steuerreform ihren Standortvorteil zu einem guten Teil eingebüsst haben, weiss Eling.

BREXIT könnte Assekuranz beflügeln

Die Geschäftsaussichten für die Assekuranz dürften nach Einschätzung von EY gut bleiben. Das Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU könnte zudem beflügeln. Laut EY überlegen sich einige Versicherer, ihren europäischen Hauptsitz in die Schweiz zu verlegen.

 
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