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Die Schweizer Wirtschaft erholt sich nur langsam in unsicheren Zeiten

Freitag, 16.12.2016

Die Wachstumsimpulse für die Schweizer Wirtschaft bleiben gemäss KOF schwach. Der private Konsum entwickelt sich zurückhaltend, die Exportwirtschaft findet nicht zur alten Stärke zurück. Das BIP soll 2017 um moderate 1.6% steigen.

Die Weltkonjunktur hat im 3. Quartal 2016 einen Zwischenspurt eingelegt. Die USA expandierten dank eines hohen Aussenbeitrags im Vergleich zu den vergangenen Quartalen überdurchschnittlich; hierbei spielten jedoch Sondereffekte eine wesentliche Rolle. Die europäische Wirtschaft setzte ihren langsamen Erholungskurs fort. China konnte seine konjunkturelle Dynamik dank fiskalischer Stimuli etwa halten. Für das 4. Quartal 2016 prognostiziert die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich eine etwas schwächere konjunkturelle Dynamik für die Weltwirtschaft als zuletzt.

Alle wichtigen Weltregionen dürften vorerst nur moderat wachsen

Die KOF erwartet aus allen wichtigen Weltregionen geringere Expansionsbeiträge. Allein in den Krisenländern Brasilien und Russland werde sich die graduelle Erholung voraussichtlich fortsetzen. In den Folgequartalen dürfte die weltwirtschaftliche Dynamik dann wieder etwas zunehmen.

US-Fed könnte Zinsen 2017 stärker als erwartet ansteigen lassen

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten beeinflusst für die KOF den globalen Konjunkturausblick: Sie erhöhe in erster Linie die Prognoseunsicherheit. Denn derzeit sei unklar, inwieweit Trump seine Wahlversprechen – fiskalische Impulse durch Infrastrukturprogramme und Steuersenkungen sowie ein stärkerer Protektionismus – umsetzen könne und wolle.

Die KOF trägt der veränderten Situation in den USA Rechnung, indem sie gewisse Fiskalmassnahmen als Annahme unterstellt. Diese Fiskalmassnahmen würden die Importnachfrage der USA direkt allerdings nur geringfügig erhöhen. Gewisse Effekte auf die globale Konjunktur würden sich dagegen über den Wechselkurskanal ergeben: Die fiskalischen Impulse würden den Preisdruck in den USA ab 2018 erhöhen, weshalb die US-Notenbank Fed die Zinsen wohl etwas stärker ansteigen lassen werde als bisher angenommen.

Globaler Handel dürfte nur schwach expandieren

Die KOF geht zudem davon aus, dass sich die protektionistische Ausrichtung der neuen US-Regierung hemmend auf die internationale Handelsintegration auswirken wird. Dämpfende Effekte auf den globalen Handel sind nach Einschätzung der KOF aber erst mittel- bis längerfristig sichtbar. Dessen unbenommen, dürfe der globale Handel im Prognosezeitraum nur relativ schwach expandieren.

Italien ist ein Risiko für die europäische Konjunktur

Ein Abwärtsrisiko für die europäische Konjunktur sieht die KOF derzeit in Italien. Sollte es zu Neuwahlen und in der Folge zu einem von der Opposition in Aussicht gestellten Referendum über den Verbleib im Euroraum kommen, dürfte dies die Investoren stark verunsichern. Auch das Extremszenario einer Banken- und Staatsschuldenkrise wäre für diesen Fall nicht auszuschliessen, warnt die KOF.

Schweizer Konjunktur hat sich 2016 etwas normalisiert

Die Wirtschaftsaktivität in der Schweiz hat sich 2016 wieder etwas normalisiert. Die Produktion ist gestiegen, die Preise sind aufgrund der Aufwertung im Jahr 2015 und der tieferen Ölpreise bis zum Jahresende aber rückläufig gewesen. Die starke Aufwertung hat auch die Notwendigkeit von Produktivitätssteigerungen akzentuiert, was seit Anfang 2015 einen stagnierenden Arbeitseinsatz zur Folge hat. Die Lohnerhöhungen sind in diesem Zeitraum schwach ausgefallen; durch die Preisrückgänge ist die durchschnittliche Kaufkraft der Löhne aber dennoch gestiegen.

Deflationsphase neigt sich dem Ende zu

Durch den jüngsten Preisanstieg des Rohöls dürfte die Zeit der Preisrückgänge insgesamt auslaufen. Der Anstieg der Konsumentenpreise bleibt nach Einschätzung der KOF in nächster Zeit aber tief (2016: -0.4%, 2017: 0.3%) und erlaubt somit eine Fortführung der lockeren Geldpolitik seitens der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Der Franken hat sich gegenüber dem Euro in den letzten Monaten leicht aufgewertet. Die KOF revidiert deswegen die bisherige technische Annahme von 1.10 auf 1.08 für den Euro und belässt den Wechselkurs über die gesamte Prognoseperiode auf diesem Niveau.

Investitionen bleiben schwach

Trotz hoher Liquidität sind die Anlageinvestitionen im Inland eher schwach; dies dürfte sich laut KOF in nächster Zeit kaum ändern. Die Investitionen in Schienen- und Luftfahrzeuge, die schon in den vorhergehenden KOF Prognosen jeweils dominierten, bilden weiterhin die Hauptstütze. Von den Bauinvestitionen erwartet die KOF kaum Impulse (2017: 0.9%). Die Bauaktivität ist bereits auf einem hohen Niveau und die Erhöhung der Verkehrsinfrastrukturinvestitionen wird sich voraussichtlich erst ab 2018 manifestieren.

Der Wohnbau ist auf einem nicht nachhaltigen Niveau angelangt, die Erhöhung des Wohnungsbestands liegt zurzeit einiges höher als die Zunahme der Anzahl der Haushalte. Darum erwartet die KOF im Prognosezeitraum keine nennenswerte Zunahme der Wohnungsproduktion.

Strukturwandel setzt sich fort

Die Bedeutung der Industrie hat seit der Finanzkrise abgenommen, nachdem sie zuvor – in der Zeit des schwachen Frankens – sowohl in Bezug auf die Beschäftigung als auch auf die Wertschöpfung verglichen zur restlichen Wirtschaft zulegen konnte. Zurzeit hat das Verarbeitende Gewerbe einen Anteil an der Wertschöpfung von etwa 18%. Gemäss jüngster KOF Prognose wird dieser Anteil weiter schrumpfen; lediglich die pharmazeutische Industrie werde noch an Gewicht zulegen können.

Das Gastgewerbe leide ebenso wie die Industrie unter dem hohen Wechselkurs und dürfte weiterhin Einbussen verzeichnen. Der forcierte Strukturwandel dürfte weitergehen, was sich in einer Zunahme der unternehmens- und personenbezogenen Dienstleistungen manifestiert. Die Finanzdienstleistungen werden gemäss KOF ein unterdurchschnittliches Wachstum aufweisen und auch die Bauwirtschaft verliert an Bedeutung.

Exporte dürften zulegen

Angesichts des nach wie vor schwierigen Umfelds für die Schweizer Industrie rechnet die KOF für die kommenden Quartale mit einer eher flachen Exportentwicklung bei den Waren. Für die folgenden Quartale rechnet die KOF hingegen mit steigenden Dienstleistungsausfuhren. Insgesamt steigen die Exporte gemäss aktueller Prognose 2017 um 2.2% und 2018 um 3%. Bei den Importen erwartet die KOF ein anziehendes Wachstum, wobei es sich bei den Importen vor allem um Vorleistungen handelt.

Zuwanderung flacht weiter ab

Die gesetzliche Umsetzung des 2014 angenommenen Verfassungsartikels zur Begrenzung der Einwanderung scheint nunmehr sanft auszufallen. Allerdings dürften die schwächere Wirtschaftsaktivität und die Erfordernis zur Produktivitätserhöhung die wirtschaftlich bedingte Einwanderung in den kommenden Jahren geringer ausfallen lassen als in der Vergangenheit.

Die KOF erwartet deshalb eine moderate Erhöhung der Beschäftigung (in Vollzeitäquivalenten, 2017 und 2018: 0.4%) und keine nennenswerte Änderung der Arbeitslosenquote. Die Quote gemäss der International Labor Organization (ILO) dürfte 2017 im Durchschnitt 4.6% betragen; diejenige für die registrierten Arbeitslosen gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) 3.3%.

Privater Konsum dürfte beschränkt ausfallen

Die Lohnentwicklung wird laut KOF schwach ausfallen und somit die Zunahme des privaten Konsums beschränken (2017: 0.9%).

Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht

Aufgrund der schwachen Preisentwicklung und des Aufwertungsdrucks erwartet die KOF keine Änderung der Kurzfristzinsen im Prognosezeitraum. Sie bleiben demnach deutlich negativ. Die Langfristzinsen werden jedoch bald wieder positiv und sich in einem äusserst langsamen Tempo erhöhen. Ende 2018 erwartet die KOF für 10-jährige Bundesobligationen eine Rendite von 0.25%.

 
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