Sie befinden sich hier: Startseite » Aktuelle Themen » Artikel

Die Schweizer Banken stehen 2016 vor weiteren grossen Herausforderungen

Donnerstag, 01.09.2016

Der Bankensektor trug auch 2015 zum Wohlstand bei. Er erbrachte rund 6% der Wertschöpfung, verbuchte einen Jahresgewinn von 15,8 Mrd. Franken und bezahlte Ertrags- und Gewinnsteuern von 2,2 Mrd. Franken. Doch er muss sich neu erfinden...

«Die Banken in der Schweiz stehen trotz einem herausfordernden nationalen und internationalen Umfeld solide da», wie die Schweizerische Bankiervereinigung SBVg erklärt. So konnten sie 2015 ihren Geschäftserfolg um 5% auf 64,6 Milliarden Franken steigern und versorgten die Wirtschaft und Privatpersonen ungebrochen mit Krediten.

Zahl der Banken sinkt weiter

«In der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung ist der Finanzplatz Schweiz mit einem Weltmarktanteil von 25% weiter die Nummer eins. Steigende Regulierungskosten, Margendruck und Investitionen in den technologischen Fortschritt beschleunigen jedoch den Strukturwandel der Branche, der sich auch in den Kennzahlen niederschlägt», wie der SBVg weiter ausführt. Tatsächlich: Im Berichtsjahr 2015/2016 nahm die Zahl an Banken in der Schweiz ab, auch die Beschäftigung im Bankensektor sank weiter. Die Anzahl Banken reduzierte sich 2015 von 275 auf 266 Institute. Von den Weglassungen sind insbesondere die ausländisch beherrschten Banken (-8) betroffen.

Ausländische Kundenvermögen nehmen ab

Die Banken in der Schweiz verwalteten per Ende 2015 insgesamt 6'567,6 Milliarden Franken Vermögen. Gegenüber dem Vorjahr nahm das inländische Kundenvermögen um 74,3 Milliarden Franken bzw. um 2.3% zu, während das ausländische Kundenvermögen um 162,5 Milliarden Franken oder 4.8% abnahm. Dies entspricht einer Reduktion des in der Schweiz verwalteten Vermögens von insgesamt 88,2 Milliarden Franken oder 1.3%. Laut SBVg ist diese Reduktion vorwiegend auf Währungseffekte zurückzuführen. Der Anteil an ausländischen verwalteten Vermögen liegt bei knapp 50%.

Wachstumsdynamik der Hypothekarkredite geht zurück

Auch die Kreditvergabe von Banken in der Schweiz an Unternehmen und Private ist laut SBVg intakt. Das inländische Kreditvolumen betrug 2015 1'076,4 Milliarden Franken. Dies entspricht einer moderaten Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 0.4%.

Das Wachstum der inländischen Hypothekarkredite war mit 2.6% geringer als in den beiden Jahren zuvor (2013: +4.2%, 2014: +3.6%). Dies schreibt die SBVg auch den von den Banken getroffenen Massnahmen im Hypothekarbereich, darunter die Anpassungen der Selbstregulierungen, zu.

Der Personalbestand am Schweizer Bankenplatz nimmt weiter ab

Die Entwicklung der Arbeitsplätze war im vergangenen Jahr von der anhaltenden Konsolidierung sowie von Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmassnahmen geprägt. Der inländische Personalbestand (in Vollzeitäquivalenten) nahm um 1'012 Stellen auf 103'041 ab (-1.0%). Den grössten Teil zum Personalrückgang trugen die Auslandbanken mit einer Stellenreduktion von 2'036 beziehungsweise 11.2% ihres Personalbestands bei.

Im ersten Halbjahr 2016 wurden im Schweizer Bankensektor bereits 3'454 Beschäftigte weniger (-4.1%) verzeichnet, wie eine Umfrage der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) im Sommer 2016 ergab. Im Ausland stellten Schweizer Banken dagegen netto mehr als 6'700 Personen ein. Für den weiteren Verlauf des Jahres zeigt sich die Beschäftigungstendenz stabil.

Die Herausforderungen für die Schweizer Banken nehmen weiter zu

Die Banken in der Schweiz stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Einerseits führen das anhaltend niedrige Zinsumfeld und der starke Wettbewerb zu grossem Margendruck. Andererseits treiben Regulierungen in Sachen Eigenkapital oder Steuertransparenz die Kosten in die Höhe. Zusätzlich beeinflusst die Digitalisierung die Banken-Grosswetterlage markant und beschleunigt den Strukturwandel in der Branche. Noch offen ist, wie sich durch den Entscheid der Briten, die EU zu verlassen (Brexit), die Bedingungen für die Schweizer Banken verändern werden.

Bankenplatz braucht Sicherung des EU-Marktzugangs

Für weiteres Wachstum bleibe die Sicherung des EU-Marktzugangs unerlässlich, wie Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik bei der SBVg, erklärt: «Im Bereich Beschäftigung zeigt sich ein Trend dazu, vermehrt Arbeitskräfte im Ausland aufzubauen; ein Indiz dafür, dass die Exportfähigkeit des Finanzplatzes ein Thema ist. Dieser Trend muss jetzt durch verbesserte Rahmenbedingungen umgekehrt werden», ergänzt Hess.

Die Schweiz müsse insbesondere zu einer kostengünstigen Regulierung finden. Die SBVg hat dazu bereits Vorschläge zuhanden von Politik und Regulierungsbehörden erarbeitet. Diese umfassen eine unabhängige Regulierungsprüfstelle und ein Preisschild für Regulierungen.

Über das Bankenbarometer

Das jährlich erscheinende Bankenbarometer der SBVg fasst die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen des Bankenplatzes Schweiz zusammen. Es stützt sich auf Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sowie auf Erkenntnisse aus Umfragen unter den Mitgliedsinstituten.

 
Twitterdel.icio.usgoogle.comLinkaARENAlive.comMister Wong
Copyright © 2011 vorsorgeexperten.ch ag. Alle Rechte vorbehalten.