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Die Schweizer akzeptieren eine Reform der Altersvorsorge grundsätzlich

Dienstag, 30.08.2016

Beinahe Zweidrittel der Schweizer Bevölkerung akzeptieren die Notwendigkeit von Korrekturmassnahmen um künftige Renten zu sichern. Bei den Massnahmen herrscht jedoch Unsicherheit. Auch ist das Thema Vorsorge noch immer von wenig Interesse.

Die demografische Entwicklung, das anhaltend tiefe Zinsniveau sowie zu hohe Umwandlungssätze beeinflussen die Substanz und die Anlagestruktur vieler Pensionskassen. Es ist an der Zeit, das Schweizer Vorsorgesystem zu reformieren. In einer Studie, welche AXA Investment Managers seit 2011 zum sechsten Mal in Auftrag gegeben hat (durchgeführt von Gfs-Zürich), sind die Autoren der Frage nach dem Wissen und der Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur 2. Säule nachgegangen. Sie wollten insbesondere wissen, wie die BVG-Versicherten die verschiedenen Korrekturmassnahmen einschätzen, in welcher Form sie ihre Rente bei Pensionierung beziehen möchten und welche Rentenzeitmodelle bevorzugt werden.

Schweizer anerkennen Notwendigkeit von Massnahmen

«Die Akzeptanz der Schweizer Bevölkerung für eine Reform der Altersvorsorge ist hoch. Die Menschen werden immer älter und das Tiefzinsumfeld belastet die Renditen der Vorsorgevermögen. Rund 59% der Befragten anerkennen deshalb die Notwendigkeit von Korrekturmassnahmen», erklärt Dr. Werner E. Rutsch, Head Institutional Business bei AXA Investment Managers Schweiz.

Rentenkürzungen stimmen die wenigsten zu

Von den vorgeschlagenen Massnahmen, wie Beitragszahlungen vor dem 25. Lebensjahr, höhere Beiträge insgesamt, ein höheres Rentenalter sowie eine Kürzung der aktuellen Renten akzeptieren 81% der Befragten Beitragszahlungen schon vor dem 25. Lebensjahr. Auch einer Erhöhung der Beiträge würden rund 65% der Befragten zustimmen, ebenso wie Steuervergünstigungen bei freiwilligem Sparen (87%) oder der Förderung von freiwilliger Teilzeitarbeit ab 64- bzw. ab 65 Jahren (76%). Am wenigsten populär, mit einer Zustimmungsquote von lediglich 12%, ist hingegen der Vorschlag, die Renten zu kürzen.

Vorsorgewissen ist nach wie vor gering

Mehr als ein Fünftel (22%) der Versicherten weiss nicht, dass das gesparte PK-Geld ihnen gehört. Auf die Frage, wem die Lohnabzüge für die berufliche Vorsorge gehören, antworten nur 78% der Befragten mit «mir selbst». 15% denken, das Geld gehöre der Pensionskasse, 4% nehmen gar an, es gehöre dem Staat und 3% meinen, die PK-Mittel gehörten dem Arbeitgeber oder die Befragten konnten keine Angaben machen.

Während es bei den Antworten keinen geschlechtsspezifischen Unterschied gibt, wissen nur 65% der Westschweizer, dass das Geld ihnen gehört; in der deutschen Schweiz sind es 79% und im Tessin 94%.

Jüngere wissen besser Bescheid

Jüngere aktiv Versicherte zwischen 25- und 41 Jahren wissen besser Bescheid (83%) als ältere und bereits pensionierte Versicherte (73% bzw. 75%). Es fällt auf, dass 11% der Befragten in der Westschweiz den Staat als vermeintlichen Eigentümer der PK-Gelder nennen, in der Deutschschweiz und im Tessin jedoch nur je 2%.

Vertrauen in die Kassen für die Vermögensverwaltung ist hoch

Und wer soll das Pensionskassengeld verwalten und für Rentenlücken aufkommen? Rund Zweidrittel der BVG-Versicherten wissen, dass Pensionskassen – je nach Kasse – entweder privaten Institutionen oder auch der öffentlichen Hand gehören. 86% der Befragten finden es grundsätzlich richtig, dass die Pensionskasse für die Geldanlage zuständig ist. Bei freier Wahl würde aber rund ein Fünftel der Befragten die Gelder lieber selber anlegen oder eine Vertrauensperson damit beauftragen.

Interesse für Vorbezug von Pensionskassengeld ist gross

Das viel diskutierte Thema des Vorbezugs von PK-Geld wird in der Studie detailliert untersucht. So wünschen 10% der Befragten ausdrücklich, das Pensionskassengeld vor Erreichung des Pensionsalters beziehen zu können – und zwar ohne Restriktionen. Den Vorbezug für Wohneigentum und andere Vorsorgelösungen wie Lebensversicherungen befürworten 44%. Immerhin finden jedoch 42% der Versicherten, das gesparte Pensionskassenvermögen solle ohne Ausnahme erst bei Pensionierung bezogen werden können.

Hat ein Rentner sein Pensionskassengeld nach Kapitalbezug aufgebraucht, geniesst er unter den Befragten aber nur wenig Unterstützung. Die Hälfte der Befragten findet, er müsse dann von der AHV und seinem Ersparten leben. 34% würden das Sozialamt und je rund 20% die Familie und die Pensionskasse in die Pflicht nehmen (Mehrfachnennungen möglich).

Ein Fünftel würde sich bei Pensionierung das ganzes Geld auszahlen lassen

Würden die Befragten heute in Pension gehen, liesse sich jeder Fünfte sein ganzes Pensionskassengeld auszahlen – was eine Verdoppelung gegenüber 2015 darstellt. Werner E. Rutsch sieht darin eine erhöhte Sensibilisierung bezüglich sinkender Umwandlungssätze sowie eine allgemeine Unsicherheit in Bezug auf wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Die Auszahlungsvariante Gesamtbezug sei vor allem bei Männern, jüngeren Versicherten im Alter von 25 bis 41 Jahren und bei Tessinern beliebt.

Die Hälfte würde eine monatliche Rente wählen

Die Hälfte der Bevölkerung würde sich gemäss Studie jedoch für eine monatliche Rente entscheiden, und jeder Vierte würde einen Mix von Rente und Kapitalbezug wählen. Diese Werte entsprechen den Antworten der Vorjahre.

Jeder Fünfte interessiert sich nicht für die Altersvorsorge

Obwohl eine Reihe von notwendigen Korrekturmassnahmen zur Sicherung zukünftiger Renten anstehen, herrscht in der Bevölkerung immer noch wenig Interesse für das Thema Vorsorge: Jeder fünfte Befragte interessiert sich grundsätzlich nicht für die Altersvorsorge.

Das Interesse unter den aktiv Versicherten im Alter von 42- bis 65 Jahren ist mit 84% am höchsten; unter den passiv Versicherten – also den Rentnern – ist es mit 63% am geringsten. Besser Verdienende interessieren sich mehr für die Altersvorsorge als Personen mit geringem Einkommen. Als Hauptgrund für das mangelnde Interesse wird «noch zu jung zu sein» angegeben. Bequemlichkeit, keinen Einfluss nehmen zu können, schon pensioniert zu sein oder im Alter sowieso kein Geld mehr zu erhalten werden ebenfalls genannt.

41% würden freiwillig gerne länger arbeiten

Dieser eher triste Ausblick wird jedoch von einem Lichtblick erhellt: 41% der Befragten würden freiwillig gerne länger arbeiten, respektive hätten gerne länger gearbeitet als bis zum Rentenalter. Als wichtigste Gründe werden die Freude an der Arbeit, finanzielle Überlegungen, eine gute Gesundheit und der Wunsch, aktiv zu bleiben, genannt.

 
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