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Die Risiken für institutionelle Anleger nehmen zu

Freitag, 07.10.2016

Die expansive Geldpolitik stösst an ihre Grenzen. Der erhoffte Aufschwung bleibt in vielen Ländern aus. Stattdessen belasten Unsicherheitsfaktoren wie Wahlen, Brexit, Chinas Wachstum oder Japans Zukunft die Bonität der Staaten – und ihre Anleihen.

In Europa lassen sich nach sieben deflationären Jahren – geprägt von Schuldenüberhang und angeschlagenen Banken – punktuell erste Hoffnungsschimmer ausmachen. Ein tiefer Eurokurs, günstige Ölpreise und die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) stützen Konsumenten und Unternehmen weiterhin. Dennoch – der erhoffte breite Aufschwung durch mehr Konsum und Investitionen lässt weiterhin auf sich warten.

Grenzen der Geldpolitik sind inzwischen erreicht

«In den USA sowie in Grossbritannien funktionierte das "Quantitative Easing“ gut. Langsam scheint es nun auch in Europa Früchte zu tragen. In Japan geht das Experiment weiter. Als nächstes dürfte Helikoptergeld auf dem Programm stehen», wie René Hermann, Lead-Autor der Länderstudie des Schweizer Rating Instituts Independent Credit View (I-CV), erklärt. Die Anzeichen, dass die Grenzen der Geldpolitik inzwischen jedoch erreicht seien und die Massnahmen verpufften, würden sich verdichten. «Es wird künftig an den Regierungen liegen, mit konkreten Entscheidungen wie Strukturreformen, fiskalpolitischen Stimuli oder der Stärkung des Bankensystems für ein nachhaltig positives Wirtschaftsumfeld zu sorgen, welches sich stabilisierend auf die Finanzmärkte auswirkt», so Hermann.

Brexit könnte der Anfang vom Ende der EU sein

Für die EU-Länder gelte es nun, das Debakel des Brexits zu verdauen. Immerhin verliere die EU das bevölkerungsmässig drittgrösste Mitgliedsland und den wirtschaftlich zweitgrössten Mitgliedsstaat. «Es ist für Europa wichtig, dass nach der Schulden- und Eurokrise keine politische Krise folgt. Die EU wurde vom Brexit-Votum überrascht; sie muss nun aufpassen, dass daraus nicht der Anfang vom politischen Ende der EU erwächst», warnt Hermann. Die Gemeinschaft benötige dringend neue Ideen, neue Modelle, und vor allem neue Köpfe in der Verantwortung, um die Zukunft zu gestalten, und um die eigentliche wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des Binnenmarkts aufrecht zu erhalten.

Etliche Eurozone-Länder haben die Spar- und Reformpolitik aufgegeben

Einige Märkte weisen Signale von Blasenbildungen auf, wie aus der I-CV-Länderstudie hervorgeht. Dazu zählen etwa die Unternehmenskredite in China sowie diverse Immobilienmärkte in Europa. Die Märkte sind laut I-CV generell von den Fundamentaldaten entkoppelt und anfällig für Schocks.

Auffällig ist für I-CV auch, dass Länder wie Italien, Frankreich und auch andere Staaten der Eurozone die Terrorbedrohung, den Brexit sowie anstehende Wahlen zum Anlass nehmen, die Spar- und Reformpolitik endgültig aufzugeben. Entsprechend erwartet I-CV, dass die ungelösten Probleme in der Eurozone, etwa in Portugal und Griechenland, bald wieder für Aufruhr sorgen werden.

«Wir empfehlen deshalb weiterhin eine differenzierte Analyse als Grundlage für Anlageentscheide und bevorzugen Staaten mit stabilen politischen Rahmenbedingungen, intakten Bankensystemen und vorausschauender Fiskalpolitik», sagt Hermann. Dazu zählt er beispielsweise Irland, die Niederlande, Neuseeland und Südkorea. Länder wie Japan und Portugal sollten Anleiheninvestoren jedoch besser meiden. Opportunitäten sieht er in Russland und Peru, welche von einer Stabilisierung beziehungsweise Erholung der Rohstoffpreise profitierten.

Fünf Upgrades stehen drei Downgrades gegenüber

In der aktuellen Länderstudie stehen fünf Upgrades (Irland, Südkorea, Niederlande, Russland und Slowenien) drei Downgrades (Brasilien, Japan und Portugal) gegenüber. Die Upgrades sind laut Hermann durch Fortschritte in der Konsolidierung des Haushalts, der Rückkehr zum Wachstum und der Umsetzung von Strukturreformen begründet; die Downgrades seien auf eine starke Abschwächung der Kreditkennzahlen sowie politische Unsicherheitsfaktoren (z.B. Abkehr von Reformen) zurückzuführen. Die Schweiz bleibt eines von den vier top gerateten Ländern und auch Deutschland (AA+) und Österreich (AA-) sind unverändert eingestuft.

Einzelne Staaten zeichnen sich durch hohe Disziplin und Umsetzungsstärke aus

Wie Hermann weiter erklärt, würden die Überschuldungen vieler Staaten durch den verdeckten Griff in den Geldbeutel der Sparer und Anleger gelöst, beziehungsweise aufgeschoben (Inflation, negative Realzinsen). Während sich die Lage in den strapazierten Staaten im besten Falle langsam normalisiere, dürften die Treiber der Erholung einmal mehr die Schwellenländer sein. Eine Reduktion der Schuldenberge sei in Anbetracht der schwachen Wachstumsraten und der allgemeinen Abkehr vom Spar- und Reformkurs nicht realistisch. Dabei wären Haushalts- und Schuldendisziplin gefragter denn je.

Es gebe allerdings Staaten, die sich durch hohe Disziplin und Umsetzungsstärke auszeichneten und nun die Früchte einer vorrausschauenden Politik ernten könnten. Für Bond-Investoren blieben es aber herausfordernde Zeiten, in denen Risiken nicht adäquat kompensiert würden und es umso wichtiger sei, bei Anlageentscheidungen die Kreditqualität und die politischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, so Hermanns Fazit.

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