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Die Experten des Bundes geben sich für die Schweizer Wirtschaft optimistisch

Donnerstag, 15.12.2016

Das Staatssekretariat für Wirtschaft erwartet für 2016 ein Wirtschaftswachstum von 1.5%, das sich 2017 auf 1.8% und 2018 auf 1.9% beschleunigen soll. Getragen würde dieses Wachstum von der Inlandnachfrage und vom Aussenhandel.

Nach einigen positiven Quartalen stagnierte das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) im 3. Quartal 2016 nahezu. Die Vorlaufindikatoren deuten aber auf eine erneute Wachstumsbeschleunigung hin, sagen die Experten des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Seitens der Weltwirtschaft rechnen sie weiterhin mit positiven Impulsen. Die Experten behalten ihre bisherige Einschätzung deshalb bei und prognostizieren für 2016 ein Wirtschaftswachstum von 1.5%. Für 2017 und 2018 erwarten sie eine verhaltene Beschleunigung auf 1.8% respektive 1.9%, getragen sowohl von der Inlandnachfrage als auch vom Aussenhandel. Im Zuge der konjunkturellen Erholung dürfte die Arbeitslosenquote graduell von 3.3% (2016) auf 3.2% (2017) und schliesslich auf 3.1% (2018) zurückgehen, so die Experten weiter. Die Konjunkturaussichten bleiben damit freundlich, auch wenn der Frankenschock teilweise noch nachwirken dürfte.

Internationale Konjunktur weist Wachstumsverlangsamungen auf

Das moderate Wachstum der Weltwirtschaft hielt im Jahresverlauf 2016 an. Weder die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten zu Jahresbeginn noch der Brexit-Entscheid im Sommer haben das Expansionstempo nachhaltig gedrosselt.

Das Wachstum in den USA fiel nach einer enttäuschenden ersten Jahreshälfte im 3. Quartal 2016 mit real +0.8% gegenüber dem Vorquartal überraschend hoch aus. Insbesondere der Aussenhandel trug neben den weiterhin soliden privaten Konsumausgaben dazu bei. An dieses Expansionstempo werde die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen kaum anknüpfen können, so die Experten; sie rechnen aber dennoch mit einem robusten Wachstum.

Der Euroraum setzte seinen moderaten Erholungskurs im 3. Quartal fort (+0.3%), gestützt insbesondere durch den privaten und staatlichen Konsum. Vor dem Hintergrund der expansiven Geldpolitik dürfte die Inlandnachfrage auch in den kommenden zwei Jahren wesentliche Wachstumsimpulse liefern. Die Expertengruppe geht davon aus, dass das gegenwärtige Wachstumstempo über den Prognosehorizont in etwa gehalten werden kann. Auch für Japan sei angesichts der expansiv ausgerichteten Geld- und Fiskalpolitik in den kommenden zwei Jahren von einer Fortsetzung des moderaten Aufschwungs auszugehen.

Chinas Bruttoinlandprodukt wuchs in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um jeweils 6.7% (real im Vorjahresvergleich), was Ängste vor einer harten Landung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt in den Hintergrund rücken liess. Im 3. Quartal stützte der Dienstleistungssektor das BIP-Wachstum und hat die etwas schwächere Dynamik der Industrie wettgemacht. Für die kommenden Jahre geht das Seco angesichts des strukturellen Wandels der chinesischen Wirtschaft nach wie vor von einer graduellen Wachstumsverlangsamung aus.

In anderen wichtigen Schwellenländern ist die konjunkturelle Lage durchwachsen. So weisen in Russland verschiedene Indikatoren auf ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt hin, während Brasilien noch immer tief in der Rezession steckt.

Erholungskurs der Schweizer Wirtschaft steht nicht in Frage

Nach vier deutlich positiven Quartalen expandierte die Schweizer Wirtschaft im 3. Quartal 2016 fast nicht mehr (+0.0%). Die abrupte Bremsung des BIP-Wachstums kam eher überraschend, insbesondere weil das Wachstum bei fast allen binnenorientierten Sektoren schwach ausfiel. Insgesamt scheint der Erholungskurs der Schweizer Wirtschaft aber nicht in Frage gestellt.

Für die Experten des Bundes weisen die aktuellen Konjunkturindikatoren auf eine Wachstumsbeschleunigung im 4. Quartal 2016 hin. Der Einkaufsmanagerindex für die Schweizer Industrie schoss jüngst auf ein Niveau, das für die Experten auf eine starke Expansion hindeutet. Das KOF-Konjunkturbarometer kam zuletzt leicht über dem langfristigen Mittelwert zu liegen und signalisiert für sie damit ebenfalls ein Wachstum.

Die Konsumentenstimmung verharrt zwar seit mehreren Quartalen unter dem langjährigen Mittelwert. Die Erwartungen der Konsumenten bezüglich der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung haben sich in der jüngsten Erhebung aber deutlich verbessert.

Für das Gesamtjahr 2016 erwartet die Expertengruppe daher unverändert ein BIP-Wachstum von 1.5%. Im Zuge der allmählichen konjunkturellen Festigung dürfte sich das Wachstum auf 1.8% im Jahr 2017 und auf 1.9% im Jahr 2018 beschleunigen. Die Schweizer Wirtschaft würde damit nicht sehr stark expandieren, aber zum soliden Wachstumstempo der Jahre vor dem Frankenschock zurückkehren.

Inlandkonsum weist sich als „bedeutende Wachstumsstütze“

Die Inlandnachfrage dürfte sich nach Ansicht der Experten als bedeutende Wachstumsstütze erweisen. Der private Konsum blieb im laufenden Jahr hinter den Erwartungen zurück, sollte sich im Prognosezeitraum aber allmählich festigen. Eine Erholung des Arbeitsmarktes und eine moderate Reallohnentwicklung sollten die Kaufkraft der Haushalte stärken und könnten, auch angesichts vorhandener Aufholpotenziale, die Konsumausgaben stützen.

Die nach wie vor wachsende Bevölkerung beeinflusst den Konsum zudem positiv. Vor dem Hintergrund guter Finanzierungsbedingungen und dank der stützenden Wirkung des Tiefbaus sollten die Bauinvestitionen ebenfalls etwas an Fahrt gewinnen. Schliesslich ist auch von den Ausrüstungsinvestitionen ein moderates Wachstum zu erwarten.

Aussichten für die Exportwirtschaft sind freundlicher geworden

Vom Aussenhandel kann 2016 ein im historischen Vergleich deutlich überdurchschnittlicher Beitrag zum BIP-Wachstum erwartet werden, so die Experten, insbesondere aufgrund des starken Wachstums der Chemie- und Pharmaexporte. Für die kommenden Jahre gehen sie von einer gewissen Normalisierung des Exportwachstums aus. Gleichzeitig dürften zunehmend auch andere Exportbereiche, wie der Tourismus und die Maschinen- und Metallindustrie, wieder vermehrt partizipieren. Die Aussichten für die Exportwirtschaft sind ihrer Meinung nach als heterogen aber insgesamt trotzdem als freundlicher einzustufen.

Trendwende am Arbeitsmarkt hat eingesetzt

Am Arbeitsmarkt sind die Folgen der letztjährigen Konjunkturabschwächung noch nicht überwunden. Das Beschäftigungswachstum verlief schwach, und die Arbeitslosigkeit lag bis zuletzt auf einem relativ hohen Niveau. In der Summe dürfte für das Gesamtjahr 2016 ein Wachstum von 0.1% bei der Beschäftigung resultieren, und die Arbeitslosenquote sollte im Jahresdurchschnitt bei 3.3% zu liegen kommen.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen bei den Arbeitslosenzahlen dürfte die Trendwende nun aber eingeleitet sein. Im Zuge der konjunkturellen Erholung erwartet die Expertengruppe dementsprechend eine graduelle Belebung des Arbeitsmarktes. Die Beschäftigungsentwicklung dürfte sich 2017 auf +0.4% und 2018 auf +0.6% beschleunigen. Gleichzeitig ist mit einem graduellen Abbau der Arbeitslosenquote auf 3.2% (im Jahresmittel 2017) und schliesslich auf 3.1% (im Jahresmittel 2018) zu rechnen.

Teuerung weist eine Normalisierung auf

Bei der Teuerung dürfte sich im Prognosezeitraum die bereits eingesetzte Normalisierung vollziehen. Für 2016 wird noch eine deutlich negative Teuerungsrate erwartet (-0.4%), gefolgt von einer Null-Teuerung im Jahr 2017 und einer Teuerung von +0.2% im Jahr 2018.

Gestiegene politische Unsicherheit ist das grösste Konjunkturrisiko

Zu den grössten Risiken für die internationale Wirtschaftsentwicklung zählt gegenwärtig die gestiegene politische Unsicherheit. Nicht nur der Brexit-Entscheid, sondern auch die Ablehnung des Verfassungsreferendums in Italien könnten als Ausdruck von zentrifugalen Kräften mit einer potentiell destabilisierenden Wirkung auf die europäischen Institutionen gelesen werden, wie die Experten erklären.

In zwei weiteren grossen europäischen Ländern, Deutschland und Frankreich, stehen 2017 Wahlen an. Die internationalen Finanzmärkte haben sich bislang zwar ruhig entwickelt. Sollte es aber zu Verwerfungen kommen, etwa im Zusammenhang mit den kriselnden italienischen Banken oder dem Austritt Grossbritanniens aus der EU, wäre sowohl eine Abschwächung der europäischen Konjunktur als auch eine erneute Frankenaufwertung mit entsprechenden Effekten auf die Schweizer Realwirtschaft zu befürchten.

Nach der Präsidentschaftswahl in den USA herrscht zudem eine grosse Unsicherheit bezüglich der künftigen Ausrichtung der US-amerikanischen Wirtschafts- und Handelspolitik. Sich verstärkende protektionistische Tendenzen könnten die seit einiger Zeit schwache Entwicklung des Welthandels weiter drücken, was auch die Exportaussichten der Schweizer Wirtschaft beeinträchtigen würde.

 
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