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Das Risiko einer Schuldenkrise in Italien ist gestiegen

Montag, 05.12.2016

Italiens Bevölkerung hat sich gegen die von der Regierung Renzi initiierte Verfassungsreform ausgesprochen. Die Entscheidung führt zu erneuter politischer Ungewissheit und erhöht die Risiken für die europäische Konjunktur.

Das «Nein» zur Verfassungsreform hat die politische Unsicherheit in Italien deutlich erhöht, warnt die Konjunkturforschungsstelle KOF heute. Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi hat direkt nach der Abstimmungsniederlage seinen Rücktritt angekündigt. Die kommenden Tage dürften Klarheit über den weiteren Verlauf bringen.

Attraktivität Italiens als Investitionsstandort nimmt weiter ab

Laut KOF sei es denkbar, dass ein Nachfolger aus Renzis Partei, dem Partito Democratico, bestimmt werde. Ebenfalls möglich sei, dass Präsident Sergio Mattarella den Auftrag zur Bildung einer technokratischen Übergangsregierung gebe. Beide Szenarien würden zumindest zu einer gewissen Stabilisierung der politischen Situation in Italien führen.

Dennoch dürfe sich der schon jetzt langsame Reformkurs in Italien weiter abschwächen. Die Attraktivität Italiens als Investitionsstandort werde wohl weiter abnehmen, was die bereits jetzt brach liegende Investitionstätigkeit weiter schwächen werde. 

Risiken für die europäische Konjunktur nehmen zu

Ein Risiko für die europäische Konjunktur wären gemäss KOF Neuwahlen. Die Protestbewegung MoVimento 5 Stelle stehe in den Umfragen derzeit ähnlich gut da wie der Partito Democratico. Das MoVimento 5 Stelle habe im Falle eines Wahlsiegs ein Referendum über die Abschaffung des Euro angekündigt und die beiden anderen grossen Oppositionsparteien hätten sich ebenfalls kritisch gegenüber der Einheitswährung geäussert.

Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen steigen weiter

Bereits die Aussicht auf ein Euro-Referendum in Folge von Neuwahlen dürfte die Märkte stark verunsichern und die bereits jetzt gestiegenen Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen noch weiter erhöhen. Auch bestehe die Gefahr von weiteren Kapitalabflüssen aus Italien, wie es sie bereits im Vorfeld des Referendums gegeben habe, so die KOF weiter.

Italienisches Bankensystem könnte an den Rand eines Kollapses kommen

Diese beiden Faktoren könnten das fragile italienische Bankensystem an den Rand eines Kollapses bringen. Sowohl das höhere Primärdefizit aufgrund der Mehrausgaben zur Stabilisierung des Finanzsystems als auch die höheren Zinsaufwendungen bei der Refinanzierung dürften die Tragfähigkeit der italienischen Staatsschulden mindern.

Ausufernde italienische Schuldenkrise würde zusätzliche Eingriffe von EU und IWF benötigen

Die Schuldenquote Italiens betrage derzeit rund 130% des Bruttoinlandprodukts, wie die KOF weiss. Zwar sei davon auszugehen, dass die Europäische Zentralbank alles tun werde, um grössere Schäden zu vermeiden. Eine ausufernde Schuldenkrise in Italien benötige jedoch wahrscheinlich zusätzliche Eingriffe der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Auch Schweizer Wirtschaft wird von italienischer Schuldenkrise tangiert

«Eine Schuldenkrise in Italien dürften die anderen EU-Staaten und die Schweiz zu spüren bekommen», sagt Dr. Heiner Mikosch, Sektionsleiter Internationale Konjunktur an der KOF. Insbesondere der Aussenhandel und die Investitionstätigkeit wären von konjunkturellen Einbussen betroffen.

Italien ist viertwichtigster Absatzmarkt für die Schweizer Industrie

Die Schweiz ist wirtschaftlich eng mit Italien verbunden. So wurden im letzten Jahr Waren im Wert von 12,8 Milliarden Franken aus der Schweiz nach Italien geliefert, was das Land zum viertwichtigsten Absatzmarkt für die Schweizer Industrie macht.

Auf der Importseite war Italien mit Warenimporten in Höhe von 16 Milliarden Franken im letzten Jahr, nach Deutschland, das zweitwichtigste Herkunftsland. Insbesondere Güter der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie Uhren, Bijouterie und Edelmetalle und Energieträger werden gehandelt. Auch bei den Dienstleistungen, insbesondere im Bereich Transport, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie Tourismus stellt Italien für die Schweiz einen wichtigen Absatzmarkt dar.

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