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Das Ausmass der Kapitalumverteilung von den Aktiven zu den Rentnern wächst

Dienstag, 26.07.2016

Die mageren Renditen der Pensionskassen führen dazu, dass immer mehr Geld von den Aktiven zu den Rentnern umverteilt werden muss. Jeder, der neu pensioniert wird, erhält im Schnitt 65'000 Franken zu viel, wie neueste Berechnungen zeigen.

Frisch Pensionierte erhalten von ihrer Pensionskasse – sofern vorhanden – eine Rente zugesprochen. Diese kann nicht verändert werden. Sie bemisst sich nach dem, was eine Person im Laufe ihres Berufslebens angespart hat und nach dem aktuellen Umwandlungssatz. Eigentlich sollte sie sich jedoch danach bemessen, wie gut das Vorsorgekapital rentiert hat. Doch Kapital rentiert aufgrund der schon seit längerem anhaltenden Tiefzinsphase nur noch sehr schlecht. Die Pensionskassen sind somit gezwungen, immer mehr Geld von den Aktiven zu den Rentnern umzuverteilen, um das Leistungsniveau halten zu können. Neue Berechnungen der Universität St. Gallen zeigen, dass inzwischen jeder, der neu pensioniert wird, rund 65'000 Franken mehr erhält, als die Kasse erwirtschaften konnte. Das berichtet die Nachrichtensendung «Heute Morgen» von SRF.

Das System der beruflichen Vorsorge funktioniert nicht mehr

Seit die Zinsen immer weiter gesunken und teilweise sogar negativ seien, funktioniere das System der beruflichen Vorsorge nicht mehr richtig, wird Martin Erling, Professor für Versicherungsmanagement an der Universität St. Gallen, zitiert. Der Grund für die Umverteilung sei, dass die gesetzlich vorgeschriebene Rente deutlich höher sei als das, was eine Kasse erwirtschaften könne.

Früher hätten Pensionskassen auf dem Alterskapital eine durchschnittliche Rendite von 4% erwirtschaftet. Heute betrage dieser technische Zinssatz realistisch gerechnet noch 2.5% bis 3.0%. Die gesetzlichen Vorgaben, insbesondere der sogenannte Umwandlungssatz, blieben aber unverändert.

So komme es, dass Pensionskassen ihren Neurentnern aktuell im Schnitt 65‘000 Franken zu viel ausbezahlen müssten. In den letzten Berechnungen von Martin Erling vor vier Jahren waren es noch 40‘000 Franken gewesen.

«Altersvorsorge 2020» kann Umverteilung kaum stoppen

Die zu hohen Renten werden Jahr für Jahr von den Aktiven bzw. Jüngeren finanziert. Denn die Pensionskassen müssen einen Teil ihrer Kapitalerträge zu den Pensionierten umverteilen.

Das Reformprojekt «Altersvorsorge 2020», das im Herbst ins Parlament kommt, möchte diese unerwünschte Umverteilung korrigieren. Doch solange die Zinsen so tief bleiben, wird eine Reform die Quersubventionierung nicht beseitigen. Das Ausmass allerdings dürfte weit kleiner werden.

 
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