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Das Anlageumfeld bleibt auch im nächsten Jahr schwierig

Donnerstag, 01.12.2016

Das Weltwirtschaftswachstum dürfte 2017 moderat und regional unterschiedlich ausfallen. Politische Ereignisse könnten zudem Marktturbulenzen auslösen. Anleger tun gut daran, ihr Portfolio breit zu diversifizieren, sagen Experten der Credit Suisse.

Das weltweite Wirtschaftswachstum dürfte im Jahr 2017 von 3.1% auf 3.4% leicht ansteigen, wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen Ländern und Regionen, prognostiziert Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer der Credit Suisse. Insgesamt könnten sich Anleger auf eine leichte Erholung der Unternehmensinvestitionen und eine weiterhin solide Verbrauchernachfrage einstellen. Das Gesamtwachstum sieht Strobaek jedoch deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Eine Lockerung der US-Finanzpolitik sollte den zyklischen Aufschwung stützen, während sich Ungewissheit in Bezug auf den Welthandel eher dämpfend auswirkt, wie er meint.

Inflation liegt weiterhin unter den Zielwerten der Zentralbanken

Die Inflation wird zwar voraussichtlich steigen, aber in vielen Industrieländern – die USA ausgenommen – weiter deutlich unter den Zielwerten der Zentralbanken liegen. Die US-Notenbank (Fed) dürfte mit ihrer schrittweisen Normalisierung der Zinssätze fortfahren, sagt Strobaek, während andere Zentralbanken voraussichtlich eine expansivere Haltung beibehalten und mechanische Bilanzausweitungen bremsen werden.

Politische Unsicherheiten und Risiken stehen im Mittelpunkt

Politische Unsicherheiten und Risiken stehen aller Voraussicht nach 2017 im Mittelpunkt, so Strobaek weiter. Den Brexit sieht er gar als grösste Gefahr für Europa, die deutlich unterschätzt werde. Er warnt auch vor möglichen Erschütterungen, welche Wahlen in europäischen Kernländern hervorrufen könnten. Hinzu kommt die Wahl von US-Präsident Donald Trump, dessen neue Regierung in Bezug auf die Aussen-, Sicherheits- und Handelspolitik langsam Gestalt annehme. Von einem Anstieg politischer Risiken wären Anleihen und Aktien besonders betroffen, so die Anlageexperten der Credit Suisse.

Profitabilität von Finanzwerten könnte wieder steigen

Steigende Renditen und steiler werdende Renditekurven unterstützen zwar die Profitabilität des Finanzsektors. Politische Ereignisse in Europa könnten bei europäischen Instituten jedoch zu Volatilität führen, warnen die CS-Experten. Demgegenüber sollten US-Finanzwerte (einschliesslich nachrangiger Anleihen) eine bevorzugte Renditequelle bleiben, wie sie meinen, da sich die Trump-Regierung tendenziell eher für eine schwächere als für eine stärkere Regulierung des Finanzsektors einsetzen werde.

Länder- und Sektorauswahl bei Schwellenländer-Hartwährungsanleihen ist zentral

Auch Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern sind aufgrund ihres Rendite- und Diversifizierungspotenzials für die CS-Experten attraktiv. Nach der starken Rally bei Schwellenländeranleihen im Jahr 2016 sollte im kommenden Jahr allerdings die Länder- und Sektorauswahl eine Schlüsselrolle in Bezug auf die Renditen spielen.

Gesundheitswesen und Technologie bieten Gewinnchancen bei Aktien

Im Aktienbereich sollten Anleger die Sektoren Gesundheitswesen und Technologie aufgrund ihrer soliden Fundamentaldaten bevorzugen, raten die CS-Experten. Das Gesundheitswesen bietet ihrer Ansicht nach einige der stärksten Gewinnentwicklungen. Weiterhin starkes Wachstum erwarten die Experten auch in Bereichen wie Cybersicherheit, Robotik und virtuelle Realität des Technologiesektors. Beide Branchen sollten zudem stark von einer möglichen Steuervergünstigung in den USA für die Repatriierung von Geldern profitieren.

Fiskalische Expansion und Infrastruktursanierungsbedarf liefern Wachstumsimpulse

Die CS-Anlageexperten bevorzugen zudem ausgewählte infrastrukturorientierte Aktien, insbesondere aus dem Bausektor und dem bauorientierten Industriesektor. Die steigende politische Bereitschaft zu einer fiskalischen Expansion sowie ein wachsender Bedarf an Infrastruktursanierungen in den kommenden Jahren in mehreren grossen Volkswirtschaften – darunter auch die USA – sollten bedeutende Impulse liefern.

US-Dollar dürfte an Boden gewinnen

Der US-Dollar dürfte nach Ansicht der CS-Experten angesichts steigender US-Zinsen, einer fiskalischen Expansion und einer Repatriierung von latenten US-Unternehmenssteuern an Boden gewinnen. Während der Euro 2017 von dem Fokus auf die politischen Risiken voraussichtlich in Mitleidenschaft gezogen wird, sollte sich der japanische Yen von seiner Unterbewertung erholen.

Schweizer Wirtschaft dürfte stetig aber nur wenig wachsen

Für die Schweiz erwarten die CS-Experten ein stetes moderates Wachstum mit einer anhaltenden Erholung bei den Exporten und einer verhaltenen Binnennachfrage. Während die Inflation unterhalb der Zielvorgaben bleiben dürfte, hat das Deflationsrisiko nachgelassen.

Schweizer Franken dürfte sich gegenüber dem Dollar abschwächen

Der Schweizer Franken sollte sich gegenüber dem allgemein stärker werdenden US-Dollar abschwächen. Die Währungsexperten der Credit Suisse sind der Ansicht, dass eine eventuelle Abwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro jedoch sehr begrenzt wäre, denn die Zinssätze in der Eurozone dürften niedrig bleiben und die politische Risiken in Europa weiterbestehen.

Anja Hochberg, Chief Investment Officer Switzerland der Credit Suisse, empfiehlt daher, breit diversifizierte Schwellenländeranleihen ins Portfolio aufzunehmen und Schweizer Aktien gegenüber Schweizer Anleihen den Vorzug zu geben, insbesondere Aktien aus der Pharma- und der IT-Branche. Für Anleger, die eine gewisse Illiquidität tolerieren könnten, sei auch Private Equity nach wie vor eine interessante Anlagekasse.

Europäische Aktien bergen gewisse Risiken

Ungewissheit in Bezug auf den Brexit, politische Risiken und zeitweilige Sorgen über den Zustand der europäischen Banken dürften bei europäischen Risikowerten für Volatilitätsschübe sorgen, sodass die risikobereinigten Renditen auf Aktien weniger attraktiv sind, warnen die Anlageexperten.

Sie sind jedoch der Ansicht, dass der Austritt weiterer EU-Mitglieder infolge des Brexit unwahrscheinlich ist. Bank- und Staatsanleihen aus Peripherieländern sollten sich daher gut behaupten können. Die Risiken in Italien und Portugal sollten allerdings genau beobachtet werden.

Wachstum in der Eurozone dürfte moderat ausfallen

In der Eurozone wird ein moderates Wachstum erwartet. Allerdings dürfte die Divergenz zwischen der etwas restriktiveren Haltung der Fed und einer immer noch sehr expansiven Politik der EZB dazu führen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar voraussichtlich nicht zulegen wird. Das britische Pfund dürfte sich stabilisieren, nachdem es 2016 unter den Fair Value gefallen war.

Asien weist stabiles Wachstum auf

Asien steht nächstes Jahr nach Meinung der CS-Experten ein stabiles Wachstum bevor, das vom Strukturwandel – weg von Industrieexporten und hin zu einer dienstleistungsgestützten Konsumgesellschaft – untermauert wird.

Die Experten sehen eine sanfte Landung in China und attestieren der Regierung einen erfolgreichen Umgang mit der zweigeteilten Wirtschaftslage, bei der die Verlangsamung im Industrie- und Gewerbesektor anhält, während der Dienstleistungssektor im Inland stetig weiter wächst. Vor diesem Hintergrund müsse aber eine Überhitzung des Immobiliensektors in Tier-1-Städten verhindert werden.

Asiatische Schwellenländeraktien dürften sich 2017 gut entwickeln

Das Konjunkturwachstum stabilisiere sich, die Bewertungen seien angemessen und die Profitabilität verbessere sich – die Kombination dieser Faktoren deutet für die CS-Experten darauf hin, dass sich asiatische Schwellenländeraktien 2017 gut entwickeln dürften und möglicherweise sogar Aktien aus Schwellenländern weltweit übertreffen.

John Woods, Chief Investment Officer Asia Pacific der Credit Suisse, merkt an, dass ihre positivere Haltung gegenüber Asien auf den besseren Aussichten für China basiere, wo die Binnenkonjunktur – insbesondere der Dienstleistungssektor – positiv überraschen dürfe.

 
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