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Bereichern sich die Banken an den Pensionskassen?

Montag, 13.03.2017

Schweizer Pensionskassen verwalten fast 800 Milliarden Franken Vermögen. Dieses muss gewinnbringend angelegt werden. Doch die Zinsen sind tief, die Renditen entsprechend klein. Die Banken und ihre Produkte belasten die Vermögen zusätzlich.

Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) mahnte vor kurzem, die Pensionskassen müssten ihre Anlagestrategien überdenken, um im Tiefzinsumfeld noch renditeträchtig zu investieren. Ansonsten drohten bei den Kassen Leistungskürzungen. Sie empfahl den Banken, vermehrt in Alternative Anlagen, etwa in Hedge Funds oder Rohstoffe, zu investieren. Dies würde in der zweiten Säule zu einer Erhöhung der Altersguthaben von etwa acht Milliarden Franken führen, wie die SBVg vorrechnete. Letztlich aber verdienen auch die Banken an solchen Produkten, monieren Beobachter.

Banken profitieren vom Anlagenotstand bei den Pensionskassen

Dass Banken dafür weibeln, Pensionskassen sollten in kostenintensive Finanzprodukte investieren, findet Colette Nova, Vizedirektorin beim Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und zuständig für die zweite Säule, als „schwierig“, wie sie gegenüber dem «Blick» äusserte. Es sei zwar in Ordnung, wenn die Banken für ihre Dienstleistungen bezahlt würden. Doch würden manche Banken die Pensionskassen mit Gebühren in neue Anlagen treiben. Tatsächlich reichen viele Banken den Negativzins von 0.75%, den sie selbst auf Einlagen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zahlen müssen, nicht nur weiter, sondern verlangen noch mehr, wie der «Blick» weiss.

Er hat von der Berner Kantonalbank auf Anfrage eine Stellungnahme erhalten. Danach verlang diese von institutionellen Anlegern wie Pensionskassen ab Einlagen von 10 Millionen Franken über 0.75% Gebühren. Die Bank sieht darin keine Bereicherung. Tatsächlich kämen zu den Negativzinsen auch Verwaltungskosten hinzu.

Vorgehen der Banken wird als stossend empfunden

Gemäss Swisscanto-Pensionskassenstudie 2016 wuchs der Anteil an Alternativen Anlagen am Anlagemix der Pensionskassen zwischen 2013 und 2015 um 22%. Um bessere Renditen zu erwirtschaften, müssten Pensionskassen zwar zusätzliche Anlagerisiken in Kauf nehmen, räumte Hanspeter Konrad, Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbandes (Asip), gegenüber dem «Blick» ein. Dennoch empfindet er das Vorgehen der Banken als äusserst stossend. Die Renditen der Pensionskassen würden dadurch geschmälert und die Gewinne der Banken erhöht. Sie würden somit auf dem Buckel der Pensionskassen geschäften.

Erzielte Rendite mit Hedge Funds wirft Fragen auf

Wohin die Negativzinsen die Pensionskassen treiben, liest der «Blick» im Geschäftsbericht der Pensionskasse der Stadt Zürich. Er bringt als Beispiel das Geschäftsjahr 2015, in dem die Kasse «zur Abfederung der Negativzinsen» die Hedge-Funds-Quote erhöht habe. Auch Anlagen in Aktien und Rohstoffe seien hinzugekommen. Das Ziel sei gewesen, «bei geringem zusätzlichem Risiko eine etwas höhere Rendite» zu erzielen. De facto habe die Kasse mit Hedge Funds aber 0.3% Verlust gemacht. Die Vermögensverwaltungskosten seien höher als die Rendite gewesen. Einige Kassen hätten beim Geschäft der Banken mit den Pensionsgeldern nicht mitgemacht. So sei die Aargauer Bafidia beispielsweise aus Hedge Funds ausgestiegen.

 
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